Erstmalige Wolfsbejagung in der Steiermark: Schadwolf-Entnahme nach Nutztierrissen freigegeben
In der Steiermark ist erstmals die Bejagung eines Wolfes erlaubt worden. Wie das Land am Freitag mitteilte, wurde ein als „Schadwolf“ eingestufter Wolf zur Entnahme freigegeben. Grund sind nachweisliche Risse von Nutztieren im Bezirk Murau, bei denen seit Juni mehr als zehn Schafe in mindestens drei Fällen getötet wurden. Der betroffene Viehhalter hatte Herdenschutzmaßnahmen umgesetzt, die jedoch keinen Erfolg zeigten. Die zuständige Abteilung für Land- und Forstwirtschaft stellte daraufhin den Status als Schadwolf gemäß der steirischen Wolfsverordnung fest. Die Jagdausübungsberechtigten in den betroffenen Revieren wurden informiert; die Abschussfreigabe gilt für vier Wochen in einem Radius von zehn Kilometern um den letzten Vorfall.
Signal für die Almwirtschaft: Landesrätin und Kammerpräsident begrüßen Schritt
Die zuständige Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) betonte, dass die Abschussfreigabe ein deutliches Zeichen für ein „effektives Prädatorenmanagement im Sinne der Alm- und Weidewirtschaft“ sei. „Ich bin froh, dass der betroffene Viehhalter jetzt nicht mehr hilflos zusehen muss, wie seine Herde überfallen wird“, sagte Schmiedtbauer. Eine neue Wolfsverordnung sei bereits in Planung, da zwischen dem Erlass der aktuellen Verordnung und der ersten Abschussfreigabe über zwei Jahre vergingen. Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger sieht in der Entnahme-Freigabe ein ermutigendes Signal: „Die Freigabe zur Entnahme des Schadwolfs ist ein konsequenter Schritt und ein ermutigendes Signal für die heimischen Almbauern und Tierhalter. Wer trotz Herdenschutz wiederholt Nutztiere – im konkreten Fall Schafe – verliert, braucht wirksame Lösungen. Durch die mögliche Entnahme des Schadwolfs kann weiteres Tierleid auf den Almen und Schaden für die Almbauern verhindert werden. Der aktuelle Fall zeigt, dass das Prädatorenmanagement in der Steiermark funktioniert und die Entnahme von Schadwölfen nach objektiven Kriterien erfolgt.“ Steinegger begrüßt zudem den Vorschlag von Landesrätin Schmiedtbauer, eine „noch bessere“ Wolfsverordnung auf den Weg zu bringen.
Hintergrund: Die Debatte um den Wolf in Österreich
Die Entscheidung fällt in eine Zeit hitziger Diskussionen um den Umgang mit dem Wolf. Während Weidetierhalter auf Almen und in Tallagen zunehmend Existenzängste äußern, pochen Naturschutzorganisationen auf den strengen Schutzstatus des Wolfes gemäß der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. In der Steiermark wurde die Wolfsverordnung 2023 reformiert, um schnellere Reaktionen bei Schadwölfen zu ermöglichen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die bürokratischen Hürden nach wie vor hoch seien und die Definition eines Schadwolfs nicht immer eindeutig sei. Befürworter der Entnahme verweisen auf die Notwendigkeit, die Almwirtschaft zu schützen, die ohne wirksame Prädatorenkontrolle vielerorts aufgegeben werden müsste. Der aktuelle Fall zeigt, dass die neue Verordnung erste Wirkung zeigt, auch wenn die Zeit bis zur ersten Abschussfreigabe mit über zwei Jahren als zu lang kritisiert wird.
Ausblick: Neue Wolfsverordnung in Planung
Landesrätin Schmiedtbauer kündigte an, eine neue Wolfsverordnung zu erarbeiten, die die Prozesse weiter beschleunigen und präzisieren soll. Ziel sei es, sowohl den Schutz der Weidetiere zu gewährleisten als auch den rechtlichen Rahmen für ein kontrolliertes Wolfsmanagement zu schaffen. Die Landwirtschaftskammer unterstützt diesen Kurs und fordert zugleich mehr Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen. Ob die neue Verordnung den Spagat zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung schaffen kann, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der erste Abschuss eines Schadwolfs in der Steiermark setzt ein Zeichen – und wird die Debatte weiter anheizen.
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