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Almen fehlt Wasser

Der Almauftrieb 2026 ist aufgrund von Trockenheit und kühlen Temperaturen etwas später als üblich gestartet. Bereits nach kurzer Zeit hat sich die Situation auf vielen Almen in Oberösterreich jedoch deutlich zugespitzt: Anhaltende Trockenheit und ein erhebliches Niederschlagsdefizit stellen zahlreiche Almbäuerinnen und Almbauern vor große Herausforderungen. Besonders die Wasserversorgung der Weidetiere entwickelt sich auf vielen oberösterreichischen Almen zunehmend zu einem ernsthaften Problem.

Bereits Winter und Frühjahr waren von deutlich unterdurchschnittlichen Niederschlägen geprägt. Die fehlenden Wasserreserven im Boden konnten bisher nicht wieder aufgefüllt werden. Auf vielen Almen werden Wasservorräte knapp, sodass Wasser einerseits für die Versorgung der Tiere aber auch für den Aufwuchs des Futters knapp wird. Wo es die Infrastruktur zulässt, wird Wasser aufwendig vom Tal auf die Alm transportiert. Auf höher gelegenen und schwer erreichbaren Almen ist dies jedoch nur eingeschränkt möglich.

„Zahlreiche Almbäuerinnen und Almbauern beobachten die Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung mit großer Sorge. Jeder Tropfen Regen zählt, denn ohne eine nachhaltige Wetterumstellung kann die Situation rasch kritisch werden. Sollte sich die Trockenheit weiter verschärfen, können in Einzelfällen sogar vorzeitige Almabtriebe notwendig werden. Ein späterer Wiederauftrieb wäre zwar grundsätzlich möglich, bedeutet für die Betriebe jedoch einen erheblichen organisatorischen und wirtschaftlichen Mehraufwand“, erläutert LK OÖ-Präsident Franz Waldenberger.

Angespannte Futtersituation erhöht Bedeutung der Almen

Nicht nur auf den Almen, sondern auch auf den Wiesen in den Tallagen macht sich die Trockenheit bemerkbar. In vielen Regionen Oberösterreichs lagen die Erträge beim ersten Schnitt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch die Folgeaufwüchse konnten vielerorts aufgrund fehlender Niederschläge nicht das gewünschte Ertragsniveau erreichen.
Damit gewinnt das auf den Almen verfügbare Futter heuer zusätzlich an Bedeutung. Die Almwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Futterversorgung der Tiere. Langfristig verfügen viele oberösterreichische Almen über Potenzial für zusätzliche Weidetiere. Die Almberatung der Landwirtschaftskammer OÖ unterstützt interessierte Betriebe daher bei der Vermittlung von Weideplätzen. Informationen dazu sind auf der Plattform www.almwirtschaft.com verfügbar.

„Angesichts der immer häufiger werdenden Trockenperioden gewinnt die Almwirtschaft zusätzlich an Bedeutung. Die Almen stellen wertvolle Futterreserven dar und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft, der regionalen Landwirtschaft und der für Oberösterreich charakteristischen Bergregionen. Wir setzen daher in der interessenpolitischen Vertretung auf nationaler und EU-Ebene alles daran, die Almwirtschaft für die bäuerlichen Betriebe möglichst attraktiv zu halten und entsprechende Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung der Almen sicherzustellen. Dazu braucht es ein starkes Agrarbudget, um die vielfältigen Leistungen der Almbäuerinnen und Almbauern fair abzugelten“, betont Waldenberger.

Sicher unterwegs auf der Alm: Rücksicht schützt Mensch und Tier

Die oberösterreichischen Almen sind beliebte Erholungs- und Ausflugsziele für Einheimische und Gäste. Die Almbäuerinnen und Almbauern freuen sich jetzt in den Sommerferien über Besucherinnen und Besucher, ersuchen jedoch um Rücksichtnahme gegenüber Mensch, Tier und Natur.

„Besonders wichtig ist das richtige Verhalten im Bereich von Weideflächen. Weidetiere sind nicht grundsätzlich aggressiv, reagieren jedoch sensibel auf ungewohnte Situationen. Sie gewöhnen sich in der Regel daran, dass Besucher regelmäßig auf gleichen Routen wie einem Wanderweg durch die Futterfläche gehen. Wanderinnen und Wanderer sollten also markierte Wege nicht verlassen, ausreichend Abstand zu den Tieren halten und Ruhe bewahren“, erläutert Johann Feßl, der Obmann des OÖ Vereins für Alm und Weide.

Tipps zum Umgang mit Weidetieren:
+    Weidetiere, die einen Wanderweg versperren, machen es nicht, um gegen eine Transitroute zu demonstrieren. Ihre Bedürfnisse Futter- und, Wasseraufnahme, Liegen mit Wiederkauen, Abkühlung vor der Sommerhitze führen zu dieser Entscheidung. Meist sind derartige Engstellen vorausschauend für den Besucher erkennbar. Deswegen gilt: rechtzeitig der Herde ausweichen, damit sie dort unbeeinflusst verbleiben können.

+    Die Weidetiere sollten vorausschauend beurteilt werden, dabei sollte man auf das Verhalten der Tiere achten. Zeigen die Weidetiere aus Neugier Interesse an den Besuchern und gehen auf diese zu und blockieren sogar den Weg, ist vor allem wichtig, Ruhe zu bewahren. Ein hochgehaltener Kopf und ruhige gemächliche Bewegungen der Tiere zeigen eine entspannte Neugier. Unruhige Tiere mit dem Kopf nahe dem Boden sollte man möglichst nicht am Kopf berühren und man sollte einen konfrontierenden Kontakt vermeiden. Diese Tiere sind weniger entspannt.

+    Nähert man sich den Weidetieren von hinten, darauf achten, dass diese nicht erschreckt werden und mit einer Abwehrreaktion der Hinterfüße reagieren. Mit konsequent abweisend ausgestreckter Hand oder durch einen Wanderstock verlängert kann man den Abstand zu den Tieren wahren. Weicht man den Tieren aus, sollte man den für die Weidetiere aufwendigeren Weg wählen. Bergseitige Straßenböschungen, Gebüsch, Bäume und Felsen sind natürliche Schutzmöglichkeiten. Weidetiere, die einem fixierten Ziel nachlaufen, können von Besuchern nicht gestoppt werden. Es ist Schutz in unwegsamem Gelände zu suchen, bis sie sich wieder beruhigt haben.

+    Nicht zwischen Kühen und den kleinen Kälbern durchgehen. Mutterkühe schützen die Kälber. Weidetiere niemals mit Leckereien zur Kontaktaufnahme mit Besuchern motivieren. Ein gelebtes Abstandhalten bietet auch Sicherheit für nachfolgende Besucher.

+    Besondere Vorsicht ist bei der Mitnahme von Hunden geboten. Hunde werden von Rindern häufig als potenzielle Bedrohung wahrgenommen und waren bei dokumentierten Zwischenfällen ein wesentlicher Auslöser. Bei Mitnahme von Hunden kann das Gefahrenpotential folgendermaßen am besten reduziert werden: Bei Eintritt in die Weide den Hund „ablegen“. Ohne Hund die Weide durchqueren. Erst danach über Befehl von der Ferne den Hund zum Nachkommen auffordern.

„Unsere Almen sind Arbeits- und Lebensraum zugleich. Wer sich respektvoll verhält, auf den Wegen bleibt und bei Weidetieren den nötigen Abstand einhält, trägt wesentlich zu einem sicheren Miteinander bei“, appelliert Waldenberger.

Orientierung bieten die Informationsplattformen www.sichere-almen.at sowie www.in-unserer-natur.at, die Empfehlungen für einen sicheren Aufenthalt auf Almen zusammenfassen.

Das Ländliche Fortbildungsinstitut der LK OÖ (LFI) bietet auch Kurse zur Begegnung mit Weidevieh auf Almen und Wanderwegen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an. Der nächste Kurs ist am 7. August 2026 von 10 bis 15 Uhr auf der Puglalm in Rosenau am Hengstpass. Anmeldung: ooe.lfi.at oder 050 6902 1500

Almwirtschaft in OÖ: Wichtige Grundlage für Landschaft und Landwirtschaft

Die endgültigen Zahlen zum Almauftrieb 2026 liegen erst nach Abschluss der Meldefrist Mitte Juli vor. Die aktuellsten verfügbaren Daten stammen aus dem Jahr 2025. Demnach haben 570 oberösterreichische Betriebe insgesamt 3.556 Großvieheinheiten (GVE) aufgetrieben. Gegenüber dem Jahr davor entspricht dies einem Rückgang um 114 Auftreiberbetriebe und 130 GVE.

Die förderfähige Almweidefläche blieb mit rund 4.500 Hektar weitgehend stabil. Insgesamt umfassen die oberösterreichischen Almen rund 19.800 Hektar Katasterfläche. Eine ausreichende Beweidung ist entscheidend, um die Almflächen langfristig offen zu halten, ihren ökologischen Wert zu sichern und das Zuwachsen der Weideflächen zu verhindern. Gleichzeitig ist die Almwirtschaft auf ausreichend Auftreiberbetriebe angewiesen, denn mit der Zahl der Betriebe sinkt auch das Potenzial an Arbeitskräften für die gemeinschaftliche Pflege und Bewirtschaftung der Almen.

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Almwirtschaft, Trockenheit, Wasserversorgung