Abschussfreigabe für Wolf im Mühlviertel: Behörden reagieren auf Risikotier
Im Raum Peilstein im Bezirk Rohrbach läuft derzeit eine behördliche Abschussfreigabe für einen Wolf. Noch neun Tage können Jägerinnen und Jäger das Tier entnehmen, danach erlischt die Genehmigung automatisch. Die Freigabe erfolgte, nachdem das Tier wiederholt in der Nähe menschlicher Siedlungen aufgetaucht war und die natürliche Scheu vor Menschen verloren hatte. Die Situation im Mühlviertel bleibt angespannt: Erst Anfang dieser Woche wurde ein Wolf gleich zwei Mal bei Reichenau im Mühlkreis gesichtet, offenbar in unmittelbarer Nähe eines Gehöfts.
Rechtsgrundlage für den Abschuss von Risikowölfen
Seit Juli 2023 ermöglicht die oberösterreichische Rechtslage den behördlichen Abschuss sogenannter Problem- oder Risikowölfe. Die Regelung greift, wenn Wölfe konkrete Gefahren für Menschen darstellen oder nachweislich Schäden verursachen. Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) betont, dass ein Einschreiten notwendig sei, sobald Wölfe ihre natürliche Distanz zum Menschen verlieren und sich Wohnsiedlungen nähern. Diese Einschätzung teilen auch Weidetierhalter, die angesichts wiederholter Risse um ihre Herden fürchten. Naturschutzorganisationen hingegen verweisen auf den strengen Schutzstatus des Wolfes gemäß der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und fordern, Ausnahmegenehmigungen eng zu begrenzen.
Die Behörden in Oberösterreich haben in den vergangenen drei Jahren insgesamt elf Wölfe zum Abschuss freigegeben. Die tatsächliche Entnahme gelang jedoch nur in zwei Fällen, beide im Jahr 2023. Die geringe Erfolgsquote führt Fachleute auf die großen Reviere und die nächtliche Aktivität der Tiere zurück. Auch die aufwendigen behördlichen Verfahren und die erforderlichen Nachweise erschweren eine schnelle Umsetzung der Freigaben. Die aktuelle Frist im Raum Peilstein zeigt, dass die Behörden bei wiederholten Vorfällen handeln, gleichzeitig aber die rechtlichen Vorgaben des Artenschutzes einhalten müssen.
Sichtungen und Herausforderungen für die Landwirtschaft
Die wiederholten Sichtungen im Mühlviertel, insbesondere bei Reichenau im Mühlkreis, sorgen bei Landwirtinnen und Landwirten für Unruhe. Ein Wolf, der sich Gehöften nähert, stellt für Nutztierhalter ein konkretes Risiko dar. Schafe, Ziegen und Kälber sind ohne ausreichenden Herdenschutz besonders gefährdet. In der Region setzen viele Betriebe daher verstärkt auf Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune oder Herdenschutzhunde. Diese Maßnahmen sind jedoch mit erheblichen Kosten und Arbeitsaufwand verbunden, was kleinere Betriebe vor große Herausforderungen stellt.
Die Debatte um den Umgang mit Wölfen ist in Österreich und den Nachbarländern stark polarisiert. Während Weidetierhalter auf Existenzängste verweisen und eine effektivere Regulierung fordern, argumentieren Artenschützer, dass der Wolf als geschützte Art einen wichtigen Platz im Ökosystem habe. Sie weisen darauf hin, dass nicht jeder Wolf ein Risikotier sei und dass Prävention oft wirksamer sei als Abschüsse. Diese unterschiedlichen Positionen erschweren eine einvernehmliche Lösung und führen immer wieder zu politischen Spannungen, wie auch Diskussionen um die EU-Naturwiederherstellungsverordnung zeigen, die von bayerischen Bauernverbänden kritisiert wird.
Bürokratische Hürden und praktische Umsetzung
Die Freigabe zum Abschuss ist an strenge Auflagen gebunden. Jägerinnen und Jäger müssen das Tier eindeutig identifizieren und dürfen nur gezielt schießen, um Verwechslungen mit anderen Wildtieren auszuschließen. Zudem muss die Entnahme unverzüglich gemeldet und das Tier einer behördlichen Untersuchung zugeführt werden. Diese Anforderungen machen die Umsetzung in der Praxis anspruchsvoll, wie die niedrige Erfolgsquote der vergangenen Jahre zeigt. Kritiker bemängeln, dass die Verfahren zu langsam seien und die Anforderungen an den Nachweis eines Risikoverhaltens zu hoch.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich und andere Interessensvertretungen fordern daher eine Vereinfachung der Verfahren und eine schnellere Reaktionsmöglichkeit bei Problemwölfen. Gleichzeitig setzen sie auf Aufklärung und Unterstützung für betroffene Betriebe, etwa durch Förderprogramme für Herdenschutzmaßnahmen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die aktuelle Abschussfreigabe im Raum Peilstein erfolgreich umgesetzt werden kann oder ob das Tier weiterhin für Unruhe sorgt. Die Behörden kündigen an, die Lage im Mühlviertel weiterhin genau zu beobachten und bei Bedarf erneut zu handeln.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: ooe.orf.at
Bildquelle: Pixabay (Pixabay-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung)
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