Risikotier

Ein Risikotier bezeichnet in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung ein Einzeltier, das aufgrund objektivierbarer Kriterien ein erhöhtes Potenzial für negative Abweichungen von definierten Gesundheits-, Leistungs- oder Verhaltensparametern aufweist. Die Einstufung erfolgt primär anhand tierindividueller Daten wie wiederholter klinischer Erkrankungen, chronisch erhöhter somatischer Zellzahlen bei Milchkühen, pathologischer Befunde in der Fleischuntersuchung oder auffälliger Verhaltensindikatoren im Rahmen der Eigenkontrolle nach § 11 TierSchG. Die Identifikation dient der gezielten Einleitung von Einzeltierbetreuungsmaßnahmen und der Risikominimierung im Bestand.

Rechtlich ist der Begriff nicht normiert, findet jedoch Anwendung in der Umsetzung der betrieblichen Tiergesundheitspläne sowie in der Dokumentationspflicht im Rahmen des österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) und der deutschen QS-Prüfsysteme. Die Einstufung als Risikotier ist kein Status mit dauerhafter Gültigkeit, sondern ein dynamischer Prozess, der eine regelmäßige Neubewertung anhand aktueller Befunde erfordert. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Abweichungen, um tierschutzrelevante Zustände zu vermeiden und die Arzneimittelanwendung gemäß der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken zu reduzieren. Die Entscheidung über die Einstufung obliegt dem bestandsbetreuenden Tierarzt in Abstimmung mit dem Tierhalter.

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