Italienischer Tierschutzverein fordert EU-Untersuchung nach Wolfsabschuss in Tirol
Der Abschuss eines besenderten Wolfs in Tirol, der Teil eines italienischen Forschungsprojekts war, hat eine formelle Beschwerde bei der EU-Kommission ausgelöst. Ein Bündnis aus 23 europäischen Organisationen wirft Österreich eine aggressive Abschusspolitik vor und fordert eine Prüfung möglicher Verstöße gegen die EU-Artenschutzrichtlinie. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Rechtmäßigkeit der Tiroler Abschussverordnung und zur Koordination zwischen den Alpenländern auf.
Hintergrund des Abschusses
Anfang Juni erließ die Tiroler Landesregierung eine Abschussverordnung für einen Wolf, der in der Gemeinde Schlitters in der Nähe von Wohnhäusern gesichtet worden war. Kurz darauf wurde ein Wolf erlegt, der ein Senderhalsband eines italienischen Forschungsprojekts trug. Laut dem wissenschaftlichen Koordinator des Projekts, Professor Marco Apollonio, zeigen GPS-Daten jedoch, dass der getötete Wolf namens Mirco zum Zeitpunkt der Ausstellung der Verordnung noch in Italien war und erst später nach Tirol einwanderte. Die Tierschutzorganisation „Io non ho paura del lupo“ bezweifelt daher, dass es sich bei dem getöteten Tier tatsächlich um jenes handelte, auf das sich die Verordnung bezog. Die fehlende Transparenz bei der Identifizierung des Wolfs vor dem Abschuss steht im Zentrum der Kritik.
Konflikt zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung
Der Fall verdeutlicht den anhaltenden Konflikt zwischen dem Schutz des Wolfs nach der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und den existenziellen Sorgen der Weidetierhalter. In Tirol und anderen Alpenregionen fordern Bauern angesichts steigender Wolfsrisse effektivere Maßnahmen zum Herdenschutz und schnellere Abschussgenehmigungen. Naturschützer hingegen warnen vor einer gezielten Tötung von Wölfen, die den günstigen Erhaltungszustand der Art gefährden könnte. Die Diskussion um das Wolfsmanagement ist in Österreich und Italien gleichermaßen aufgeheizt.
Forderungen nach besserer Koordination
Die italienische Organisation verlangt eine lückenlose Aufklärung, ob der Abschuss rechtmäßig war. Experten weisen darauf hin, dass grenzüberschreitende Forschungsprojekte mit besenderten Wölfen nur dann sinnvoll sind, wenn die Daten auch von den Behörden der Nachbarländer genutzt werden. Der Vorfall könnte die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Italien im Wolfsmanagement belasten. Während die Tiroler Behörden den Abschuss als notwendigen Schritt zur Reduzierung von Nutztierschäden verteidigen, fordern Tierschützer eine Überprüfung der Abschusskriterien.
Ausblick
Die Debatte um den Wolf wird in den kommenden Monaten wohl weiter an Schärfe gewinnen. Die EU-Kommission hat bereits signalisiert, den Schutzstatus des Wolfs überprüfen zu wollen. Für die Landwirtschaft in den Alpen bleibt die Frage zentral, wie ein Ausgleich zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung gelingen kann. Der Fall in Tirol zeigt, dass die bestehenden Regelungen oft an der Praxis scheitern – und dass die Emotionen auf beiden Seiten hochkochen.
Bildquelle: Pixabay (Unter der freien Pixabay-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)
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