Neue Sorten und Kulturen: Wie Landwirte auf die Dürreperioden des Klimawandels reagieren
Wiederkehrende Dürreperioden verändern zunehmend die Bedingungen für den Pflanzenbau in Österreich. Immer mehr Betriebe sehen sich gezwungen, ihre Anbauplanung grundlegend zu überdenken und auf neue Sorten sowie angepasste Kulturen zu setzen. Diese Entwicklung betrifft nicht nur klassische Ackerbauregionen, sondern macht auch vor Grünlandbetrieben und Sonderkulturen nicht Halt. Der Anbau dürretoleranter Sorten wird damit zu einem zentralen Baustein der betrieblichen Risikovorsorge.
Trockenstress als treibende Kraft für den Sortenwechsel
Die vergangenen Vegetationsperioden haben deutlich gemacht, dass die Sommerniederschläge unzuverlässiger werden. Lange Hitzeperioden ohne nennenswerten Regen setzen vor allem Getreidebestände unter Druck, die in der Kornfüllungsphase auf ausreichende Wasserversorgung angewiesen sind. Laut Berichten von Agrarmeteorologen haben sich die Trockenphasen in den letzten Jahren sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Intensität verstärkt. Für die Landwirte bedeutet das: Die bisherigen Standardsorten stoßen an ihre Grenzen. Die Folge ist ein Umdenken bei der Sortenwahl, aber auch bei der Frage, welche Kulturen auf den Flächen überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll angebaut werden können.
Pflanzenzüchtung und Saatgutwirtschaft haben auf diese Entwicklung reagiert. Ein breiteres Sortiment an trockenheitstoleranten Züchtungen steht heute zur Verfügung, das in der Lage ist, auch mit geringeren Niederschlagsmengen stabile Erträge zu liefern. Die Entscheidung für eine bestimmte Sorte fällt dabei nicht mehr nur nach Ertragspotenzial unter Optimalbedingungen, sondern zunehmend nach der Fähigkeit, Trockenstress zu überstehen. Betriebe, die frühzeitig auf angepasste Sorten gesetzt haben, konnten in den Dürrejahren deutliche Ertragsvorteile verzeichnen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Wahl des richtigen Saatzeitpunkts, wie die Hinweise zur Herbstaussaat von Weizen und Wintergerste zeigen.
Angepasste Anbaustrategien in der Praxis
Neben der Sortenwahl verändern sich auch die Anbauverfahren selbst. Eine zentrale Maßnahme ist die Optimierung der Bodenbearbeitung, um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. Mulchsaat und reduzierte Bodenbearbeitung haben sich in Trockenlagen bewährt, weil sie die Bodenfeuchtigkeit besser halten und die organische Substanz im Boden fördern. Auch die Fruchtfolge wird neu bewertet: Der Anbau von Zwischenfrüchten kann dazu beitragen, die Bodenstruktur zu verbessern und Wasser besser im Boden zu halten.
Ein weiterer Baustein ist die gezielte Beregnung, wo Wasserrechte und Infrastruktur dies zulassen. Allerdings stoßen die Möglichkeiten der Bewässerung in vielen Regionen an Grenzen, sei es durch fehlende Wasserrechte oder durch die Kosten für die Technik. Die Landwirtschaftskammern weisen in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hin, die Bewässerungsinfrastruktur auszubauen und gleichzeitig wassersparende Verfahren zu fördern. Im Maisanbau setzen Züchter zudem auf schnellwachsende Sorten, die nach einer Trockenperiode noch Entwicklungsrückstände aufholen können. Solche schnellwachsenden Mais-Sorten gelten als vielversprechende Option, um Erträge auch unter schwierigen Bedingungen abzusichern.
Neue Kulturen erobern den Acker
Die veränderten Klimabedingungen führen aber nicht nur zu einem Umdenken bei etablierten Kulturen, sondern eröffnen auch Chancen für neue Anbauformen. Kulturen, die bisher eher im Mittelmeerraum oder in wärmeren Lagen beheimatet waren, werden zunehmend auch in österreichischen Anbauregionen getestet. Dazu zählen unter anderem Kichererbsen, Linsen oder auch Ölpflanzen wie Leindotter, die mit Trockenheit besser zurechtkommen als herkömmliche Kulturen. Erste Versuchsanbauten zeigen, dass diese Kulturen unter den hiesigen Bedingungen durchaus tragfähige Erträge liefern können.
Auch im Bereich der Sonderkulturen zeichnen sich Veränderungen ab. Während wärmeliebende Kulturen von den höheren Temperaturen profitieren können, geraten andere unter Druck. Besonders deutlich wird dies beim Anbau von Erdbeeren, der durch Klimawandel und Ernteausfälle vor große Herausforderungen gestellt wird. In Oberösterreich testen Landwirte derweil den Olivenanbau als neue Kultur für den Klimawandel – ein Beispiel dafür, dass sich die landwirtschaftliche Produktion in manchen Regionen grundlegend wandeln könnte. Diese Entwicklungen werden von den Landwirtschaftskammern aufmerksam begleitet und wissenschaftlich ausgewertet.
Ökonomische Zwänge und betriebliche Risiken
Die Umstellung auf neue Sorten und Kulturen ist für die Betriebe mit erheblichen Investitionen und Risiken verbunden. Neues Saatgut, angepasste Technik und unbekannte Vermarktungswege erfordern Kapital und Wissen. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Druck, denn Ernteausfälle durch Trockenheit gefährden die Existenzgrundlage vieler Betriebe. Die Ernteversicherung gewinnt daher an Bedeutung, auch wenn die Prämien in Risikolagen deutlich gestiegen sind. Experten raten den Betrieben, ihre Anbauplanung auf mehrere Säulen zu stellen und nicht allein auf eine Kultur zu setzen.
Die betriebliche Anpassung ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein fortlaufender Prozess. Sortenempfehlungen müssen jährlich überprüft, neue Züchtungen getestet und Anbauverfahren angepasst werden. Der Austausch zwischen Landwirten, Züchtern und Beratern spielt dabei eine zentrale Rolle. Auch die Forschung ist gefordert, um die Züchtung weiter voranzutreiben und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Die Landwirtschaft steht vor der Aufgabe, sich den veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen, ohne die Produktivität und Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren.
Ausblick: Anpassung als Daueraufgabe
Die Anpassung an den Klimawandel wird die Landwirtschaft noch über Jahre beschäftigen. Die Erfahrungen der vergangenen Dürrejahre haben gezeigt, dass frühzeitiges Handeln entscheidend ist. Betriebe, die ihre Sortenwahl und Anbauverfahren rechtzeitig anpassen, können ihre Erträge stabilisieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Die Landwirtschaftskammern und Beratungseinrichtungen haben ihre Angebote entsprechend ausgeweitet und unterstützen die Betriebe bei der Umstellung. Die kommenden Vegetationsperioden werden zeigen, wie tragfähig die neuen Strategien in der Praxis sind.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: news.google.com
Bildquelle: Pixabay (Pixabay-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung)
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