Trockenheit bedingt eine kleine Getreideernte – die Qualitäten sind gut

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Bis jetzt fehlen in OÖ 40 bis 50 Prozent des Niederschlags – und es ist weiter kein Regen in Sicht. Grünlandbetriebe fürchten bereits eine Abstockung ihres Viehbestandes. Die Getreideernte war „klein, aber fein“. Die Herbstkulturen brauchen dringend Wasser.

Das gesamte Getreide konnte in unserem Bundesland heuer bereits bei optimalen Erntebedingungen bis zur letzten Juliwoche eingebracht werden. Bei in Summe unterdurchschnittlichen Erträgen, aber durchwegs hohen Qualitäten, sind die Ackerbauern aufgrund von internationalen Entwicklungen mit sehr hohen Kosten für Dünger und Diesel und relativ niedrigen Getreidepreisen konfrontiert. Im Bioackerbau sind die Erträge erfreulich und dies bei akzeptablen Preisen. Die Ergebnisse im Obst- und Gemüsebau sind aufgrund der ausgeprägten Trockenheit durchwachsen.

„Die Trockenheit hat unsere Landwirtschaft heuer hart gefordert. Beim Getreide sind wir mit einem blauen Auge davongekommen: Die Erträge schwanken zwar regional deutlich und fallen in Summe unterdurchschnittlich aus, dafür stimmt die Qualität umso mehr. Deutlich angespannter ist die Situation für Betriebe, die auf das Futter vom Grünland angewiesen sind. Die Futtervorräte gehen in besonders betroffenen Regionen bereits zur Neige. Die Tierhalter versuchen ihren Futterbedarf über Zukäufe sowie, wo möglich, über den Anbau von Feldfutter und weiteren Futterzwischenfrüchten zu sichern. Bleiben die Niederschläge in den kommenden Wochen weiterhin aus, wird es verstärkt zu Abstockungen der Rinderherden kommen. Die Landwirtschaftskammer unterstützt die Betriebe mit gezielten Beratungsschwerpunkten, um die vorhandenen Futterpotenziale bestmöglich zu nutzen“, erläutert Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ

Bei der Wintergerste gab es heuer mit 7,2 Tonnen einen leicht unterdurchschnittlichen Ertrag, bei Winterraps (3,4 Tonnen) und Winterweizen (6,7 Tonnen) fehlen rund zehn Prozent auf den fünfjährigen Durchschnittsertrag. Die Qualität ist gut: In OÖ wird über 90 Prozent mit Mahlweizenqualität an die Aufkäufer geliefert.

Volatiles Preisgeschehen

Das Preisgeschehen am Rohstoff- und Energiesektor ist aktuell massiv durch die Kriegsverläufe am Schwarzen Meer und im Nahen Osten bestimmt und die Getreidebauern hoffen auf steigende Preise. Wintergerste erzielt zur Ernte einen Nettopreis von 160 Euro pro Tonne. Die Mahlweizennotierung ist unmittelbar zur Ernte an der Warenterminbörse Euronext in Paris um 20 Euro pro Tonne auf 238 Euro pro Tonne netto gestiegen. Abzüglich 35 Euro pro Tonne für Handelsspanne und Transport würde sich so ein Weizenpreis von 203 Euro pro Tonne netto für Oberösterreichs Landwirte errechnen. Leider zahlt der Agrarhandel unseren Getreidebauern jetzt zur Ernte für Mahlweizen kaum mehr als 185 Euro pro Tonne und argumentiert, dass die Lagerhallen noch von der Vorjahresernte gut gefüllt sind. Bei der kommenden Maisernte zeichnen sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit starke Einbußen auf der Nordhalbkugel ab, womit in der zweiten Jahreshälfte ein steigender Maispreis den Weizenpreis mit sich ziehen könnte. Ebenso zog in der zweiten Julihälfte der Rapspreis an, der aktuell von den steigenden Erdölpreisen profitiert.

Die Ergebnisse der Arbeitskreis-Ackerbaubetriebe zeigen eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage im oberösterreichischen Ackerbau. Neben den zunehmenden Wetterextremen und Trockenperioden belastet vor allem der starke Anstieg der Betriebsmittelkosten die Betriebe. Besonders bei den flächenstarken Kulturen Winterweizen und Wintergerste sind die Deckungsbeiträge unbefriedigend. Sie liegen 2026 nicht nur unter dem Vorjahr, sondern auch unter dem Durchschnitt des Vorkrisenniveaus der Jahre 2017 bis 2021 und das ohne Berücksichtigung der Inflation.

Düngerpreise und Dieselkosten schwanken derzeit auf hohem Niveau. Viele Ackerbauern verweigern die um diese Jahreszeit übliche Düngereinlagerung für die kommende Saison, weil sich das immer noch hohe Preisniveau für einen wirtschaftlichen Getreidebau nicht rechnet.

„National ist es uns mit dem Agrardiesel für die Jahre 2027 und 2028 gelungen, eine dringend notwendige Entlastung von jährlich 50 Millionen Euro zu schaffen. Jetzt ist die Europäische Kommission am Zug: Im Zuge der Umsetzung des EU-Düngeraktionsplans braucht es weitere strukturelle Maßnahmen, um die Kosten für Dünger und Diesel spürbar zu senken. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Europas Bäuerinnen und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten Düngemittelpreisen konfrontiert sind und gleichzeitig durch Schutzmaßnahmen für die Industrie wie den CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM belastet werden. Wir brauchen zudem wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen“, so LK-Präsident Waldenberger.

Die Getreidebestände reiften heuer rasch ab: „Wir hatten mit 16. Juli in Linz bereits 20 Hitzetage mit über 30 Grad. Alleine seit 15. Juni waren es 17 Hitzetage und das führte zu einer beschleunigten physiologischen Abreife des Getreides“, erläutert Helmut Feitzlmayr, Leiter der Abteilung Pflanzenbau in der LK OÖ. Die Getreideerträge erzielten in Gunstlagen sogar über neun Tonnen, fielen aber auf Schotterböden mit einsetzender Notreife auf teilweise unter drei Tonnen ab. Bezüglich Flächentrends lässt sich feststellen: Weichweizen verlor und Wintergerste gewann, die Körner- und Silomaisflächen blieben gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert. Erfreulich ist, dass Oberösterreich konsequent eine Öl- und Eiweißstrategie verfolgt und gegen den Bundestrend Sojabohne um weitere zwei Prozent auf 21.500 Hektar, Raps um neun Prozent auf 7.400 Hektar sowie Öl- und Speisekürbisflächen um beachtliche 33 Prozent auf 2.400 Hektar ausweitete.

Die Getreideproduktion fällt heuer in OÖ verglichen mit dem Zeitraum 2021 bis 2025 um rund neun Prozent niedriger aus (siehe Tabelle). Die Herbstkulturen zeigen bereits, dass die Maisproduktion gegenüber dem Fünfjahresschnitt um acht Prozent zurückgehen wird.

Info: Rohstoffpreis bei vier Prozent

Der wertmäßige Anteil von Weizen in einer Semmel beträgt gerade einmal einen Cent. Das heißt, wenn eine Semmel 25 Cent kostet und der Weizenpreis verdoppelt sich für den Landwirt, dann kostet die Semmel anschließend 26 Cent. Bekommt die Mühle den Weizen geschenkt, so verkauft der Bäcker die Semmel um 24 Cent. Das klingt zwar kurios, bildet aber die Realität in der heutigen Wirtschaft ab.

Ernteergebnisse Bio, Obst, Gemüse und Erdäpfel

Die Trockenheit im Frühjahr hatte den positiven Effekt, dass es heuer bei Getreide kaum Pilzkrankheiten gab. Davon profitierte Bio, wo keine Fungizide eingesetzt werden dürfen. So konnte Bio-Wintergerste heuer in Oberösterreich mit vier bis fünf Tonnen je Hektar gute Erträge erzielen. In sehr trockenen Lagen bzw. auf seichten Böden wurden diese Ertragswerte allerdings aufgrund des fehlenden Niederschlages unterschritten. Bei Weizen, Dinkel, Triticale und Hafer konnten ebenso Erträge von vier bis sechs Tonnen je Hektar erzielt werden. Die gesamte Bio-Ackerfläche in Oberösterreich ist heuer mit 34.175 Hektar relativ stabil und beträgt damit knapp zwölf Prozent der gesamten Ackerfläche. Generell überrascht die Bio-Getreideernte mit guten Erträgen und guten Qualitäten. Ausgenommen von der Steinbrandthematik bei Weizen wird aktuell sehr gesundes, besatzfreies und hochqualitatives Getreide geerntet. Die Preiserwartung liegt im Bereich der Vorjahreswerte.

Obst und Gemüse

Unter großem Druck standen heuer aufgrund der Trockenheit bereits die Erdbeer- und Spargelbauern. Zwar blieben größere Unwetter bislang aus, auch gab es kaum Frostschäden, allerdings machte die Dürre den Intensivobstanlagen bei Kirsche und Marille zu schaffen. Bewässerungsmöglichkeiten sind nicht überall gegeben, werden aber künftig immer mehr notwendig. Die Apfel- und Birnenernte wird wohl heuer geringer als im Schnitt ausfallen. Ebenso bremst die Hitze im Gemüsebau die Ertragserwartungen. Die OÖ Gemüsebauern produzieren auf 2.073 Hektar 80 verschiedene Gemüsearten, wobei der Zuckermais mit 428 Hektar Anbaufläche dominiert. Gemüsekulturen mit langer Vegetationsdauer, deren Ernte im Herbst geplant ist, werden ohne Regen in den nächsten Wochen keine rentablen Erträge erzielen. Derzeit wird rund die Hälfte der Gemüseanbaufläche in OÖ bewässert. Die Beregnungsmaßnahmen sind bei Temperaturen über 30 Grad maximal „lebenserhaltend“, aber nicht ertrags- oder qualitätsfördernd. Unter der Trockenheit leiden alle Gemüsearten: Salate, Fruchtgemüse, aber auch Kohl- und Wurzelgemüse.

In Oberösterreich werden auch dieses Jahr ca. 50 Hektar „Heurige“ und rund 1.000 Hektar Speiseerdäpfel inklusive Speiseindustrieerdäpfel kultiviert. Die „Heurigen“ erzielten zufriedenstellende Erträge. Leider herrscht ein anhaltend niedriges Erzeugerpreisniveau, welches sich durch große Erntemengen aus der Saison 2025 bis ins heurige Frühjahr manifestierte.

Kommentar: Bäuerliche Solidarität gefragt

Mag. Franz Waldenberger, Präsident Landwirtschaftskammer OÖ

Nachbarschaftshilfe und gegenseitige Unterstützung sind traditionelle bäuerliche Werte, die von uns Bäuerinnen und Bauern weiter aktiv gelebt werden. Das gilt gerade in Krisen- und Katastrophensituationen, bei persönlichen Schicksalsschlägen, Unfällen oder bei Bränden. Derzeit kämpfen alle Produktionssparten mit gestiegenen Energie- und Betriebsmittelpreisen sowie mehrere Sparten auch mit Herausforderungen auf den Märkten. Für viele Futterbaubetriebe in den Regionen unseres Landes kommt dazu dürrebedingt aktuell auch der Kampf ums Grundfutter. Teilweise müssen bereits jetzt die Futtervorräte für den Winter verfüttert werden und viele Betriebe überlegen die Abstockung ihrer Viehbestände. Als Landwirtschaftskammer OÖ haben wir daher mit dem Maschinenring und Bio-Austria eine Futtermittelaktion gestartet. Ich appelliere an Betriebe mit frei verfügbaren Flächen für den Zwischenfruchtanbau sich daran zu beteiligen. Bäuerliche Solidarität ist auch da gefragt.

Tabelle: Ernte Getreide Raps OÖ 2026 – Prognose Mais Sojabohne 2026

KulturProduktion 2026 in TonnenDurchschnitt 2021-2025Ernte 2026 in % langjährig
Winterweizen318.250372.355-15%
Roggen20.34626.430-23%
Triticale76.25091.097-16%
Wintergerste288.000284.384+1%
Sommergetreide23.57325.634-8%
Summe Getreide726.420799.901-9%
Raps24.97026.781-7%
Prognose Herbsternte
Körnermais524.781570.568-8%
Sojabohne64.70464.9740

Rinderzucht, Tierhaltung