Steirische Käferbohnen: Hitzewelle verursacht massive Ausfälle bei der Ernte
Die diesjährige Ernte der Steirischen Käferbohne fällt in weiten Teilen der Südoststeiermark nahezu vollständig aus. Ursache ist eine anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius, die während der empfindlichen Blüh- und Kornfüllungsphase der Kulturpflanze auftrat. Betroffen sind vor allem jene Bestände, die auf leichten Böden ohne Bewässerungsmöglichkeit stehen. Landwirte berichten von vertrockneten Blüten und tauben Hülsen, die keinen einzigen verwertbaren Samen ausbilden konnten. Die Steirische Käferbohne, ein geschütztes Traditionsprodukt mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.), ist für viele Betriebe im Südosten Österreichs ein wichtiges Standbein im Ackerbau.
Die aktuellen Wetterdaten zeigen, dass die Region um Gleisdorf, Feldbach und Bad Radkersburg seit Wochen unter einer stabilen Hochdrucklage leidet. Für die Steirische Käferbohne, die als späte Kultur erst im Juni gesät wird, bedeutet dies eine doppelte Belastung: Bereits die Keimung litt unter der ausgetrockneten oberen Bodenschicht, später verhinderten nächtliche Temperaturen über 20 Grad Celsius die für den Fruchtansatz notwendige Abkühlung. Pflanzenphysiologisch reagiert die Bohne auf solchen Stress mit Blütenabwurf – die Folge sind Totalausfälle auf ganzen Schlägen.
Ernteprognosen und wirtschaftliche Dimension
Erste Schätzungen von Pflanzenbauexperten gehen davon aus, dass die Erntemenge in diesem Jahr nur einen Bruchteil des langjährigen Durchschnitts erreichen wird. In Einzelfällen melden betroffene Betriebe einen Verlust von 100 Prozent ihrer Ernte. Da die Käferbohne in der Fruchtfolge fest eingeplant ist und der Anbauvertrag mit Verarbeitern bereits im Frühjahr geschlossen wurde, stehen viele Landwirte nun vor erheblichen finanziellen Einbußen. Hinzu kommt, dass die Steirische Käferbohne als Premiumprodukt vermarktet wird, dessen Preisniveau deutlich über dem von Speisebohnen aus Übersee liegt – ein Ausfall lässt sich also nicht durch Mengenwachstum anderer Kulturen kompensieren.
Die Verarbeitungsbetriebe, die die getrockneten Bohnen für den Einzelhandel und die Gastronomie abpacken, stehen vor einer angespannten Rohstofflage. Sollten die Ernteausfälle das erwartete Ausmaß annehmen, könnten Regale in den Supermärkten zeitweise leer bleiben. Die geschützte Herkunftsangabe macht es unmöglich, auf Ware aus anderen Anbaugebieten auszuweichen. Konsumenten, die Wert auf regionale Herkunft legen, müssen sich in den kommenden Monaten auf ein eingeschränktes Angebot einstellen.
Klimawandel als strukturelles Problem für den Ackerbau
Die heurige Situation ist kein Einzelfall mehr. Betrachtet man die Wetteraufzeichnungen der vergangenen zehn Jahre, lässt sich eine deutliche Zunahme von Hitzephasen im Juli und August feststellen – exakt in dem Zeitfenster, in dem die Käferbohne ihre empfindlichsten Entwicklungsstadien durchläuft. Während konventionelle Kulturen wie Mais oder Kürbis zumindest teilweise von den hohen Temperaturen profitieren, weil sie ihr Wurzelsystem tiefer in den Boden treiben, bleibt die flachwurzelnde Bohne auf konstante Bodenfeuchtigkeit angewiesen.
Agrarwissenschaftler der Universität für Bodenkultur weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Anpassung der Anbaustrategien unumgänglich ist. Diskutiert werden unter anderem frühere Saattermine, die Nutzung hitzetoleranterer Sorten sowie der vermehrte Einsatz von Untersaaten, die den Boden beschatten und die Verdunstung reduzieren. Auch die zunehmende Trockenheit, die bereits bei anderen Kulturen zu spürbar geringeren Erträgen führt, verdeutlicht den Handlungsdruck für die gesamte Landwirtschaft in der Region.
Bewässerung als Schlüsselfaktor mit Grenzen
Betriebe, die über Beregnungsanlagen verfügen, konnten ihre Bestände in diesem Jahr teilweise retten. Allerdings stößt die Bewässerung an systemische Grenzen: Zum einen sind die Wasserrechte in der Steiermark begrenzt und an Auflagen gebunden, zum anderen fehlt vielerorts die technische Infrastruktur, um größere Flächen effizient zu beregnen. Die Anschaffung mobiler Beregnungsmaschinen oder der Bau von Speicherteichen ist mit erheblichen Investitionen verbunden, die sich für kleinere Betriebe oft nicht rechnen.
Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem: Stehen die Grundwasserspiegel nach mehreren trockenen Jahren auch in den Wintermonaten niedrig, nützt selbst die beste Technik wenig. Fachleute fordern daher ein regionales Wassermanagement, das landwirtschaftliche Interessen mit den Bedürfnissen von Ökologie und Trinkwasserversorgung in Einklang bringt. Die Diskussion darüber ist politisch sensibel, denn in den betroffenen Gemeinden konkurrieren verschiedene Nutzungsansprüche um dieselbe Ressource.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: news.google.com
Bildquelle: Pixabay (Pixabay-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung)
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