Dritter Wolf im Waldviertel erlegt: Sicherheit oder Abschuss-Wahnsinn?
Im Bezirk Zwettl wurde erneut ein Wolf erlegt – es ist der dritte Abschuss in Niederösterreich innerhalb weniger Wochen. Die Debatte zwischen Weidetierhaltern und Naturschützern erreicht einen neuen Höhepunkt. Während Landesvize Stephan Pernkopf die Tötung als notwendigen Schutz für Mensch und Tier verteidigt, warnen Umweltorganisationen vor einem gefährlichen Präzedenzfall.
Der dritte Streich: Wieder ein Wolf im Bezirk Zwettl
Bereits zum dritten Mal wurde im Bezirk Zwettl ein Wolf geschossen. Wie der ORF Niederösterreich berichtet, war das Tier zuvor mehrfach in der Nähe von Siedlungen gesichtet worden. Der Abschuss wurde dem Land innerhalb der vorgeschriebenen Frist gemeldet, eine Begutachtung durch Sachverständige erfolgte umgehend. Nun sollen genetische Untersuchungen Klarheit über die Herkunft des Wolfes bringen. Die ersten beiden Abschüsse in der Region hatten bereits für heftige Diskussionen gesorgt.
Pernkopf: „Problemwölfe dürfen erlegt werden“
Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) stellte klar: „Wenn sich Problemwölfe bei uns Siedlungen oder bewohntem Gebäude nähern und damit die Sicherheit der Menschen bedrohen, dann dürfen sie natürlich vertrieben, vergrämt und erlegt werden.“ Die Regelung zum Wolfsmanagement diene der Sicherheit von Menschen und Nutz- und Haustieren. Diese Position stützt sich auf die EU-rechtlichen Ausnahmeregelungen der FFH-Richtlinie, die Abschüsse bei Gefahr für Leib und Leben erlauben.
Weidetierhalter zwischen Existenzangst und Schutzlosigkeit
Für viele Bauern im Waldviertel ist die Situation existenzbedrohend. Immer wieder reißen Wölfe Schafe, Ziegen oder Kälber – trotz Schutzmaßnahmen wie Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden. Die steigende Zahl an Übergriffen führt zu wachsender Frustration. „Wir können nicht jede Nacht am Zaun stehen“, klagt ein betroffener Landwirt. Die Politik sei gefordert, endlich klare Regeln für den Abschuss von Problemwölfen zu schaffen, statt jeden Einzelfall bürokratisch zu prüfen.
Naturschützer warnen vor Abschuss-Welle
Umweltorganisationen wie der WWF und der Naturschutzbund sehen die Entwicklung mit Sorge. Sie betonen, dass der Wolf streng geschützt sei und Abschüsse nur in absoluten Ausnahmefällen gerechtfertigt seien. „Die Tötung von Wölfen darf nicht zur Routine werden“, warnt ein Sprecher. Stattdessen müsse der Herdenschutz massiv ausgebaut werden. Die EU-Kommission prüft derzeit ohnehin eine Lockerung des Schutzstatus – ein Schritt, der in Brüssel und Berlin kontrovers diskutiert wird.
Fazit: Ein Riss durch die Gesellschaft
Der dritte Abschuss im Waldviertel zeigt: Die Wolfsdebatte spaltet die ländliche Bevölkerung. Während die einen die Rückkehr des Raubtiers als Erfolg des Artenschutzes feiern, sehen andere ihre Existenzgrundlage bedroht. Die Politik steht vor der Herausforderung, einen Ausgleich zu finden – zwischen Artenschutz und den berechtigten Ängsten der Weidetierhalter. Eines ist klar: Das Thema wird uns noch lange beschäftigen.
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