Dürre in Österreich: Agrarschäden erreichen 1 Milliarden Euro
Die anhaltende Trockenheit hat in der österreichischen Landwirtschaft bereits Schäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro verursacht. Der Chef der Hagelversicherung, Kurt Weinberger, sprach im Zusammenhang mit der aktuellen Wetterlage von einer „historischen Dürrekatastrophe“, die klimawandelbedingt sei. Die Dürre in Österreich betrifft demnach sämtliche Regionen und Kulturen, wobei Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja besonders stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Regional seien auch erhebliche Einbußen bei Getreide zu verzeichnen.
Versicherer beziffert Schadenssumme und Leistungen
Die Hagelversicherung, die als Agrar-Spezialversicherer in Österreich fungiert, gab bekannt, dass sie Schäden in der Größenordnung von rund 400 Millionen Euro abdecken wird. Diese Summe resultiert aus den aktuell gemeldeten Dürreschäden. Sollten die hohen Temperaturen bis Ende August anhalten und die Niederschläge weiterhin ausbleiben, werde sich das Schadenausmaß laut Weinberger „klar erhöhen“. Die Einschätzung wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien abgegeben.
Ein Großteil der heimischen Betriebe ist gegen das Risiko der Trockenheit abgesichert. Nach Angaben des Versicherers sind 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert. „Die versicherten Betriebe haben somit einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung“, betonte Weinberger und sicherte eine rasche Auszahlung zu. Die finanziellen Mittel für die Entschädigungen sind durch ein Netzwerk aus weltweit 36 Rückversicherern abgesichert, was die Zahlungsfähigkeit des Spezialversicherers untermauert.
Klimawandel als Treiber der Rekord-Trockenheit
Die aktuelle Witterungssituation mit ausbleibenden Niederschlägen und mehreren aufeinanderfolgenden Hitzewellen hat in Österreich zu einer Rekord-Dürre geführt. Weinberger verwies in diesem Zusammenhang auf den menschengemachten Klimawandel, der zu einer deutlichen Zunahme der Schadensereignisse in der Landwirtschaft führe. Diese Entwicklung stellt Betriebe vor wachsende Herausforderungen, da die Rekordhitze und Dürre die Erträge massiv beeinflussen und die wirtschaftliche Planung erschweren.
Die wirtschaftlichen Folgen der Trockenheit sind für viele Höfe existenzbedrohend. Die Zuspitzung bei der Dürresituation sowie die Anstiege bei Energie- und Betriebsmittelkosten sind für viele Betriebe wirtschaftlich nicht mehr bewältigbar. Insbesondere die Futterversorgung der Tiere bereitet den Landwirten Sorgen, da die Grünlanderträge in vielen Regionen dramatisch eingebrochen sind. In Oberösterreich wird bereits darüber diskutiert, wie die Futterversorgung gemeinsam gesichert werden kann, um Engpässe in der Tierhaltung zu vermeiden.
Politik berät über Hilfspaket für betroffene Bauern
Die aktuelle Schadensbilanz der Hagelversicherung dient der Politik als Grundlage für weitere Entscheidungen über ein Hilfspaket. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat die Zahlen als „zentrale Grundlage“ für die Gespräche bezeichnet. Am Montagnachmittag wurde zu einem „Runden Tisch“ zur Trockenheit in der Landwirtschaft geladen, bei dem Vertreter der Bundesregierung und der Länder über konkrete Unterstützungsmaßnahmen beraten wollten. Im Fokus stehen dabei Ausgleichszahlungen für die betroffenen Betriebe, wobei die genaue Ausgestaltung und die Höhe der Hilfen noch Gegenstand der Verhandlungen sind.
Regionale Unterschiede und Ernteaussichten
Die Schäden verteilen sich unterschiedlich auf die Bundesländer. Während in einigen Regionen die Trockenheit vor allem das Grünland und den Futterbau trifft, sind in anderen Gebieten die Ackerfrüchte stärker betroffen. Besonders besorgniserregend ist die Lage dort, wo die Böden bereits seit Wochen keine nennenswerten Niederschläge erhalten haben. Die Ernteausfälle in Niederösterreich zeigen, dass vielerorts mit Einbußen von bis zu 50 Prozent bei der Herbsternte gerechnet werden muss. Die Betriebe stehen damit vor der schwierigen Aufgabe, die wirtschaftlichen Verluste zu kompensieren und gleichzeitig die Versorgung der Tiere sicherzustellen.
Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob sich die Lage entspannt oder ob sich die Schäden weiter vergrößern. Meteorologen beobachten die Wetterentwicklung mit Spannung, während die Landwirte auf ergiebige Niederschläge hoffen. Unabhängig vom weiteren Witterungsverlauf zeichnet sich ab, dass die heurige Saison als eines der schwierigsten Jahre für die österreichische Landwirtschaft in die Geschichte eingehen wird.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: nachrichten.at
Bildquelle: Pixabay (Pixabay-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung)
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