Niederösterreichs Landwirte fürchten 50-Prozent-Einbußen bei der Herbsternte
Die Stimmung in der niederösterreichischen Landwirtschaft ist gedrückt. Laut einem Bericht von noe.ORF.at befürchten die Bauern im Bundesland massive Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent bei der diesjährigen Herbsternte. Grund sind die extremen Wetterkapriolen der vergangenen Monate: Eine lange Trockenperiode im Frühjahr, gefolgt von starken Regenfällen und Hagel, hat vor allem den Getreide- und Maisbeständen schwer zugesetzt. Die Prognosen der Landwirtschaftskammer zeichnen ein düsteres Bild – viele Betriebe stehen vor existenziellen Einbußen.
Wetterextreme als Hauptursache
Die Wetterextreme haben in diesem Jahr in Niederösterreich besonders zugeschlagen. Nach einem viel zu trockenen April und Mai, der die Aussaat und das Auflaufen der Kulturen erschwerte, folgten im Juni und Juli heftige Unwetter mit Starkregen und Hagel. „Die Böden waren zunächst staubtrocken, dann kamen die Wassermassen – das verträgt keine Kultur“, so die Einschätzung von Agrarexperten. Besonders betroffen sind der Winterweizen und der Körnermais, aber auch die Zuckerrübe leidet unter den wechselhaften Bedingungen. Die Folge: geringere Kornfüllung, verminderte Zuckergehalte und erhöhter Pilzbefall. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich rechnet mit Erträgen, die teils um die Hälfte unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.
Existenzängste und Forderungen an die Politik
Die drohenden Ernteausfälle verschärfen die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage vieler Bauern. Steigende Betriebsmittelkosten, insbesondere für Dünger und Pflanzenschutz, treffen auf sinkende Erträge. Viele Landwirte sehen ihre Existenz gefährdet. Sie fordern von der Politik schnelle und unbürokratische Hilfen, etwa in Form von Steuererleichterungen oder Ausgleichszahlungen für die besonders betroffenen Regionen. Die Landwirtschaftskammer hat bereits Gespräche mit dem Land Niederösterreich angekündigt, um ein Hilfspaket zu schnüren. „Es geht um die Zukunft der bäuerlichen Familienbetriebe“, wird betont. Ohne Unterstützung drohe eine Welle von Betriebsaufgaben.
Blick nach vorne: Versicherungen und Klimaanpassung
Die aktuellen Ereignisse werfen auch ein Schlaglicht auf die Risikovorsorge in der Landwirtschaft. Immer mehr Betriebe setzen auf Mehrgefahrenversicherungen, die auch extreme Wetterereignisse abdecken. Doch die Prämien steigen, und nicht alle Schäden sind versicherbar. Langfristig wird über eine stärkere Diversifizierung der Kulturen und den Anbau trockenheitsresistenter Sorten nachgedacht. Die Diskussion um den Klimawandel und seine Folgen für die Landwirtschaft gewinnt damit in Niederösterreich an neuer Dringlichkeit. Die Bauern fordern mehr Unterstützung bei der Umstellung auf klimarobuste Anbausysteme. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie hoch die tatsächlichen Verluste ausfallen – und ob die Politik die Zeichen der Zeit erkennt.
Bildquelle: Pixabay (Unter der freien Pixabay-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)
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