Giftköder in Kärnten: Neue DNA-Analyse erhärtet Verdacht auf gezielten Wolfsanschlag
Die Vergiftung mehrerer Gänsegeier im Lesachtal im April 2024 erweist sich zunehmend als Kollateralschaden eines gezielten Anschlags auf Wölfe. Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) hat die Nahrungsreste in den Mägen der toten Aasvögel genetisch untersucht. Die Ergebnisse, die nun vorliegen, untermauern den Verdacht, dass die Giftköder eigentlich für geschützte Wildtiere wie den Wolf ausgelegt waren.
DNA-Spuren im Geiermagen: Indizienkette gegen Giftleger
Die genetische Analyse der Mageninhalte ergab, dass die Gänsegeier von einem präparierten Rotwildkadaver gefressen hatten. Rotwild zählt zur Hauptbeute von Wölfen, die in Österreich immer wieder Ziel illegaler Vergiftungen werden. Christina Wolf-Petre vom WWF erklärte, die neuen Erkenntnisse erhärteten den Verdacht auf einen gezielten Giftanschlag gegen geschützte Wildtiere. „Historisch zählten Vergiftungen zu den Hauptursachen für die ursprüngliche Ausrottung des Wolfs in Österreich“, so die WWF-Expertin. Erst im April wurden in Italien mindestens 18 Wölfe mit dem EU-weit verbotenen Nervengift Carbofuran getötet.
Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich, betont die besondere Gefahr von Giftködern: „Sie wirken völlig unkontrollierbar und können zahlreiche geschützte Arten treffen. Ein einziger präparierter Kadaver kann Wölfe, Geier, Greifvögel und andere Wildtiere gefährden.“ Ein gezielter Anschlag auf die Geier sei zwar nicht ausgeschlossen, aber vieles deute auf einen Kollateralschaden hin, der billigend in Kauf genommen wurde.
Carbofuran: Tödliches Nervengift trotz EU-Verbot im Einsatz
Das verwendete Gift Carbofuran ist ein hochgiftiges Nervengift, das in der Europäischen Union seit 2008 verboten ist. Dennoch wird es immer wieder illegal eingesetzt. Bereits geringste Mengen können für Wildtiere, Haustiere und sogar Menschen tödlich sein. Der Fall im Lesachtal zeigt, wie unberechenbar solche Köder wirken: Statt des vermeintlichen Ziels Wolf traf es streng geschützte Gänsegeier, die als Aasfresser Kadaver über große Distanzen aufspüren.
Die Naturschutzorganisationen WWF und BirdLife fordern daher mehr Ressourcen für die ermittelnden Behörden und eine konsequente Verfolgung von Wildtierkriminalität. „Solche Taten dürfen nicht ungesühnt bleiben“, so Wolf-Petre. Die Ermittlungen der zuständigen Behörden laufen auf Hochtouren, doch die Täter sind bislang unbekannt.
Debatte um Wolfsmanagement: Zwischen Artenschutz und Weidetierhaltern
Der Vorfall heizt die ohnehin hitzige Debatte um den Wolf in Österreich weiter an. Während Naturschützer auf den strengen Schutzstatus des Wolfs nach der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie verweisen, beklagen Weidetierhalter zunehmende Risse von Schafen, Ziegen und Kälbern. Illegale Giftköder sind jedoch kein Mittel der Konfliktlösung, betonen beide Seiten. Sie gefährden nicht nur Wölfe, sondern die gesamte Artenvielfalt und können sogar Menschen zu Schaden kommen.
Der Fall im Lesachtal zeigt einmal mehr, dass Wildtierkriminalität kein Kavaliersdelikt ist. Die zuständigen Behörden stehen vor der Herausforderung, mit begrenzten Ressourcen solche Straftaten aufzuklären. Ob die neuen DNA-Erkenntnisse zur Identifizierung der Täter führen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Kampf gegen illegale Giftköder erfordert ein entschlosseneres Vorgehen von Politik und Justiz.
Bildquelle: Pixabay (Unter der freien Pixabay-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)
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