Dürrefolgen für Grünland unterschätzt: Neue Studie zeigt stärkere CO2-Verluste
Die Auswirkungen von Dürreperioden auf Grünlandökosysteme könnten gravierender sein als bisher angenommen. Eine aktuelle Studie der Universität Innsbruck zeigt, dass Trockenheit die Fähigkeit von Pflanzen, CO2 zu binden, deutlich stärker beeinträchtigt als in Klimamodellen vorhergesagt. Für die Landwirtschaft, die auf Grünland als Futterbasis und Kohlenstoffspeicher angewiesen ist, sind das alarmierende Signale.
Weniger CO2-Aufnahme als erwartet
Die Forscher untersuchten, wie Grünland-Ökosysteme auf extreme Trockenheit reagieren. Bisherige Modelle gingen davon aus, dass Pflanzen nach einer Dürre schnell wieder CO2 aufnehmen. Die neue Studie widerlegt dies: Die Erholung der Photosyntheseleistung verzögert sich erheblich, und die Netto-CO2-Aufnahme bleibt über längere Zeit reduziert. Besonders betroffen sind Flächen mit geringer Artenvielfalt, die in der intensiven Landwirtschaft dominieren. Laut den Wissenschaftlern verstärken sich verschiedene Effekte – etwa die verminderte Bodenfeuchte und die Schädigung des Wurzelsystems – gegenseitig, was die negativen Folgen potenziert.
Herausforderung für Klimaschutz und Landwirtschaft
Grünland bedeckt rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich und gilt als wichtiger Kohlenstoffspeicher. Die neuen Erkenntnisse stellen die bisherigen Annahmen zur Klimawirksamkeit von Grünland infrage. Wenn Dürren häufiger und intensiver werden, könnte Grünland vom Kohlenstoffsenker zur Quelle werden. Für Bauern bedeutet dies: Die Futterqualität sinkt, und die Anfälligkeit der Bestände steigt. Experten fordern daher angepasste Bewirtschaftungsmethoden, etwa den Anbau trockenresistenterer Gräser und eine verbesserte Bodenpflege, um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen. Die Studie unterstreicht, wie dringend Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind – nicht nur für die Erträge, sondern auch für den globalen CO2-Haushalt.
Politischer Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der Innsbrucker Studie kommen zu einer Zeit, in der die Klimakrise immer spürbarer wird. Die Politik ist gefordert, die Forschung zu Dürreresistenz und nachhaltiger Grünlandbewirtschaftung zu fördern. Bisherige Förderprogramme setzen oft auf Ertragssteigerung, weniger auf Klimaresilienz. Dabei zeigen die Daten: Ohne Anpassung drohen nicht nur Ernteausfälle, sondern auch ein Verlust an Ökosystemleistungen, die für den Klimaschutz essenziell sind. Die Landwirtschaft steht vor einer Zerreißprobe: Sie muss einerseits produktiv bleiben, andererseits ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die neue Studie liefert klare Argumente für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik.
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