Oberösterreichische Birnen und Äpfel gewinnen an Beliebtheit
| Anhaltende Trockenheit bringt heuer kleinere Früchte und geringere Erträge |
Der Anbau von Birnen und Äpfeln hat in Oberösterreich eine lange Tradition und ist ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Landwirtschaft. 320 Obstbaubetriebe des Landes, die im Erwerbsobstbau tätig sind, versorgen Konsumentinnen und Konsumenten mit frischem Obst und dessen Verarbeitungsprodukten, schaffen regionale Wertschöpfung und tragen zur Pflege der Kulturlandschaft bei. In Zeiten steigender Bedeutung von Regionalität und Versorgungssicherheit rücken heimische Birnen und Äpfel zunehmend in den Fokus der Konsumentinnen und Konsumenten. Entgegen dem österreichischen Trend sind die Anbauflächen in OÖ weitgehend stabil bzw. wachsen sogar leicht. Die anhaltende Trockenheit hat in vielen Birnen- und Apfelanlagen in Oberösterreich heuer zu kleineren Früchten und teilweise geringeren Erträgen geführt. Für die Konsumentinnen und Konsumenten gibt es dennoch eine erfreuliche Nachricht: Die Qualität der heimischen Birnen und Äpfel ist ausgezeichnet.
„Oberösterreichs Obstbaubetriebe leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Lebensmittelversorgung und zur Wertschöpfung im ländlichen Raum. Hochwertige Birnen und Äpfel aus heimischem Anbau stehen für Frische, Qualität und kurze Transportwege. Gleichzeitig stellen Trockenheit und Klimawandel die Branche vor große Herausforderungen. Damit Oberösterreich auch künftig qualitativ hochwertiges Tafelobst produzieren kann, braucht es entschlossene Investitionen in Wassermanagement, Forschung und Klimaanpassung. Der Einkauf regionaler Produkte direkt ab Hof stärkt die Versorgungssicherheit, schützt die oberösterreichische Kulturlandschaft und verhindert unnötige CO2-Emissionen durch weite Transportstrecken“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, anlässlich des heurigen Saisonauftakts für die Birnen- und Apfelernte am Kronbergerhof der Familie Roithmeier in Scharten.
Nach den jüngsten Erhebungen verfügt Oberösterreich 2026 ca. 1.320 Hektar Erwerbsobstflächen, um ca. drei Prozent weniger als noch 2023 (Steiermark minus 12 Prozent in den letzten Jahren). Der größte Rückgang erfolgte bei den Strauchbeeren (hier speziell Aronia) und bei den Tafeläpfeln. Der Schwerpunkt in der Flächenaufteilung liegt auf Kernobst, insbesondere bei Äpfeln und Birnen, Erdbeeren, Aronia und Walnüssen. Für den Tafelobstbau werden in Oberösterreich vor allem moderne Intensivanlagen bewirtschaftet. Die Birnenfläche liegt aktuell bei etwa 54 Hektar. Somit hat die Birne eine Flächensteigerung um ca. 30 Prozent gegenüber 2016 erreicht, was der verstärkten Nachfrage seitens der Konsumenten entspricht. Äpfel werden im Erwerbsobstanbau in Oberösterreich derzeit auf 340 Hektar kultiviert.
„Durch die vielen Sonnenstunden konnten sich Aroma, Süße und Geschmack des Tafelobstes besonders gut entwickeln. Die Früchte sind zwar oft etwas kleiner als in niederschlagsreicheren Jahren, überzeugen aber durch ihre hohe Genussqualität“, betont Waldenberger. Die Schäden durch Trockenheit und Hitze fallen abhängig von Kultur, Anlagenform und Lage je nach Betrieb sehr unterschiedlich aus. Während für Kirsche und Marille heuer eine gute Ernte eingebracht werden konnte, sind im Bereich des Kernobstes teilweise bis 50 Prozent und mehr Schäden zu erwarten. Speziell Sonnenbrand, zu kleine und damit nicht vermarktungsfähige Früchte, aber auch Baumausfälle insbesondere in jungen Anlagen sind hier die Hauptprobleme. Noch nicht abzuschätzen ist, wie sich die fehlende Vitalität der Pflanzen auf den Ertrag im nächsten Jahr auswirken wird.
Vermarktung: Vom Obstgarten direkt zu den Konsumentinnen und Konsumenten
Die Vermarktung der Birnen erfolgt in Oberösterreich über den Ab-Hof-Verkauf, Bauernmärkte, Hofläden, Schulen und Gemeinschaftsverpflegung und auch über den Lebensmitteleinzelhandel. Der Direktverkauf gewinnt sehr zur Freude der bäuerlichen Direktvermarkter seit Jahren an Bedeutung.

„Der Einkauf direkt bei den Bäuerinnen und Bauern bietet Konsumentinnen und Konsumenten einen echten Mehrwert. Sie wissen genau, wo ihre Birnen und Äpfel herkommen, können sich über Anbauweise und Sorten informieren und erhalten wertvolle Tipps zur Lagerung und Verwendung. Gleichzeitig stärkt der Einkauf ab Hof unsere bäuerlichen Familienbetriebe und sichert Arbeitsplätze in den Regionen. Besonders schätzen viele Kundinnen und Kunden auch die große Sortenvielfalt, denn in den Hofläden finden sich oft traditionelle und seltene Obstsorten, die im klassischen Lebensmitteleinzelhandel kaum erhältlich sind“, erläutert Waldenberger.
Zunehmende Trockenheit erfordert verlässliche Wasserversorgung
Die immer häufiger werdenden Trockenperioden stellen die Obstbaubetriebe vor große Herausforderungen. Auch Apfel- und Birnenanlagen benötigen während der Vegetationsperiode eine ausreichende Wasserversorgung. Längere Hitze- und Trockenphasen führen zu Ertragsverlusten, kleineren Früchten und erhöhtem Stress für die Bäume. Junge Anlagen sind besonders gefährdet, da ihre Wurzelsysteme noch nicht tief genug entwickelt sind. Gleichzeitig steigt der Bewässerungsbedarf, während Wasserressourcen regional zunehmend unter Druck geraten. Der Klimawandel und die zunehmende Häufung von Trocken- und Hitzeperioden machen daher umfassende Maßnahmen erforderlich, um die Zukunft des Obstbaus in Oberösterreich langfristig abzusichern. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die verlässliche Versorgung der Obstanlagen mit Wasser. Dafür braucht es ein breiteres Verständnis bei der Bereitstellung von Bewässerungswasser, das über einzelbetriebliche Lösungen hinausgeht. Notwendig sind der gezielte Ausbau regionaler Bewässerungsinfrastrukturen und Leitungsnetze in den wichtigen Obstbauregionen sowie eine stärkere Nutzung vorhandener Wasserspeicher. Gleichzeitig müssen Beratung und Wissenstransfer zu Bewässerungsmanagement, Wassereffizienz und modernen Speicherlösungen weiter gestärkt werden.
Internationaler Wettbewerbsdruck belastet den Obstbau
Neben den steigenden Anforderungen durch den Klimawandel belastet auch der internationale Wettbewerbsdruck die heimischen Obstbaubetriebe. Während in Österreich und vielen EU-Staaten hohe Sozial-, Umwelt- und Qualitätsstandards sowie deutlich höhere Lohnkosten gelten, stammen zahlreiche Obstimporte aus Regionen mit wesentlich geringeren Arbeitskosten. Dieses Ungleichgewicht erschwert es den oberösterreichischen Obstbauern, kostendeckende Preise am Markt zu erzielen.
Öffentliche Ausgleichszahlungen leisten einen wichtigen Beitrag, um die höheren Produktionsstandards abzugelten und die Versorgung der Bevölkerung mit regional produziertem Qualitätsobst langfristig abzusichern. Aus Sicht der Landwirtschaftskammer OÖ braucht es dennoch weitere Maßnahmen, um die Zukunft dieses Erwerbszweigs zu sichern.
„Wir fordern eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten für Saison- und Erntearbeitskräfte auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau. Für einen fairen Wettbewerb braucht es Importregelungen, welche die gleichen Standards für alle Marktteilnehmer sicherstellen, oder Ausgleichsmechanismen im Handelssystem, die Kostenvorteile aus niedrigeren Sozial- und Umweltstandards berücksichtigen. Nur so können regionale Produktion, Versorgungssicherheit und bäuerliche Familienbetriebe langfristig erhalten werden“, ist Waldenberger überzeugt.
GAP 2028 praxisgerecht gestalten
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 muss die tatsächlichen Anforderungen des modernen Obstbaus stärker berücksichtigen. Dazu gehört insbesondere die Aufnahme der Außenmechanisierung in die Investitionsförderung, um den steigenden Anforderungen an Effizienz, Arbeitswirtschaft und Ressourcenschonung gerecht zu werden. „Die bestehenden Fördermöglichkeiten für die Neuanlage und Erneuerung von Obst- und Dauerkulturen müssen langfristig abgesichert werden. Ebenso braucht es weiterhin ausreichende Unterstützung für Investitionen in Schutzeinrichtungen wie Hagelnetze sowie in Bewässerungsmaßnahmen, damit die Betriebe den Herausforderungen des Klimawandels wirksam begegnen und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können“, betont Waldenberger.

