Dürre und frühe Lese: Österreichs Weinernte fällt deutlich kleiner aus
Die anhaltende Trockenheit und die Hitzeperioden des Sommers haben in den österreichischen Weinbaugebieten deutliche Spuren hinterlassen. Wie der Weinbauverband bei einer Pressekonferenz in Wien mitteilte, rechnet die Branche heuer mit einer spürbar kleineren Weinernte als im Vorjahr. Die Weinernte fällt damit nach dem fast rekordverdächtigen Ergebnis des Vorjahres wieder deutlich geringer aus.
Kleine Beeren, früher Lesezeitpunkt
Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager führte am Donnerstag in Wien aus, dass die Beeren vielfach sehr klein geblieben seien. Die extreme Trockenheit habe den Reben zugesetzt. Im Vorjahr hatte die Ernte rund 2,6 Millionen Hektoliter erreicht und damit fast an einen Rekordwert herangereicht. In diesem Jahr startete die Hauptlese in Niederösterreich, der Steiermark und in Wien bereits Anfang September – ein für österreichische Verhältnisse außergewöhnlich früher Beginn. Die Winzer befinden sich derzeit mitten in der Ernte. Besonders betroffen ist der Osten des Landes, wo die Trockenheit am stärksten ausgeprägt war. Im Weinviertel erwarten die Betriebe einen Mengenrückgang von bis zu 40 Prozent.
Konzentration statt Menge
Der Mengenrückgang bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine schlechtere Qualität. Schmuckenschlager verwies darauf, dass kleine Beeren weniger Saft, aber eine höhere Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen aufweisen. Aus fachlicher Sicht begünstigt dieser Umstand die Bildung aromatischer und ausdrucksstarker Weine. Für die Kellereien bringt die Situation dennoch Herausforderungen: Geringere Erntemengen erfordern eine sorgfältige Planung bei der Ausbaukapazität und der Vermarktung. Wie sich die frühe Lese und die Trockenheit konkret auf die einzelnen Sorten auswirken, zeigt sich erst mit fortschreitender Ernte und der anschließenden Verkostung der Jungweine.
Marktlage: Weißwein stabil, Rotwein unter Druck
Ein akutes Absatzproblem sieht der Weinbaupräsident derzeit nicht. Die Branche könne auf Mengenreserven aus dem guten Weinjahr 2025 zurückgreifen, so Schmuckenschlager. Beim Weißwein bezeichnete er die Preisentwicklung als sehr stabil. Anders stellt sich die Lage beim Rotwein dar: Hier kämpft die Branche mit einem europaweiten Überangebot. In Österreich setzt sich die Weinernte üblicherweise zu zwei Dritteln aus Weißwein und zu einem Drittel aus Rotwein zusammen. Aufgrund der schwierigen Marktlage beim Rotwein erwartet der Weinbauverband einen weiteren Trend hin zum Weißweinanbau.
Krisenreserve und Rodungsprogramme in Europa
Um dem Rotweinüberschuss zu begegnen, plant der heimische Weinbauverband – ähnlich wie Frankreich und Deutschland – den Rückgriff auf die EU-Agrarkrisenreserve. Konkret sollen sieben bis zehn Millionen Liter überschüssiger Rotwein zu Industriealkohol verarbeitet werden. Dazu laufen derzeit Gespräche mit dem Landwirtschaftsministerium. Der europäische Weinmarkt leidet unter einem Überangebot, das unter anderem auf einen weltweit rückläufigen Weinkonsum zurückzuführen ist. Die EU-Kommission genehmigte deshalb Hilfen, um Millionen Liter Wein aus dem Markt zu nehmen und Flächen zu roden. Besonders betroffen sind aufgrund der produzierten Mengen große Weinländer wie Frankreich.
Deutschland setzt auf Stilllegungsprämien
In Deutschland kündigte das Bundesland Rheinland-Pfalz am Mittwoch an, dass Weinbaubetriebe eine Prämie für die Stilllegung von Weinbergen erhalten. Pro Hektar, der dauerhaft gerodet wird, werden 5.000 Euro gezahlt, finanziert aus EU-Mitteln. Auch Bayern will für das kommende Jahr ein Rodungsprogramm anbieten. Diese Maßnahmen sollen den Markt entlasten und den betroffenen Betrieben eine Perspektive bieten. Ob und in welchem Umfang vergleichbare Programme auch in Österreich zum Einsatz kommen, ist derzeit noch offen. Klar ist, dass die Kombination aus klimatischen Extremen und einem veränderten europäischen Weinmarkt die Branche vor neue strategische Entscheidungen stellt.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: orf.at
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