Hauptlese
Die Hauptlese bezeichnet im Wein-, Obst- und Hopfenbau den zentralen, zeitlich und mengenmäßig überwiegenden Erntevorgang einer Kultur innerhalb einer Vegetationsperiode. Sie erfolgt, wenn der überwiegende Teil der Früchte den physiologischen Reifegrad erreicht hat, und ist von Vorlese, Nachlese sowie der Lese von Zweitfrüchten oder Nachblüten abzugrenzen. Der Zeitpunkt der Hauptlese wird anhand objektiver Reifeparameter bestimmt, etwa dem Verhältnis von Zucker zu Säure, der Kern- bzw. Samenfarbe, der Schalenfestigkeit oder dem Trockensubstanzgehalt. In der Praxis dient die Hauptlese der Erfassung des wirtschaftlich bedeutendsten Ertragsanteils und bestimmt maßgeblich Qualität, Lagerfähigkeit und Verarbeitungseignung des Ernteguts.
Rechtlich und fachlich ist die Hauptlese in Deutschland und Österreich unter anderem über Regelungen zu Pflanzenschutzmittel-Wartezeiten, Düngezeitpunkten sowie über Qualitäts- und Herkunftsbestimmungen (etwa für geschützte Ursprungsbezeichnungen) relevant. Eine exakte Terminierung beeinflusst Mostgewicht, Säurestruktur und phenolische Reife und ist damit Grundlage für die Deklaration von Prädikatsstufen und Erntemengen. Die Hauptlese kann maschinell oder manuell erfolgen; ihre Durchführung richtet sich nach Witterung, Sortencharakteristik und betrieblicher Organisation.
