Maisernte bei Nässe: Boden schonen, Silage sichern
Die Maisernte bei Nässe – das Ernten auf wassergesättigtem Boden nach anhaltender Nässe – entscheidet über den laufenden Ertrag und über die Bodenstruktur der Folgejahre. Schäden lassen sich dann nicht vollständig vermeiden, aber begrenzen: über Tragfähigkeit, Reifendruck und Radlast, gebündelte Fahrspuren, Häckslereinstellung und eine an die Feuchte angepasste Silierung. Den umgekehrten Fall – vorzeitig abgereifte Bestände nach Trockenheit – behandelt der Ratgeber zur Mais-Notreife bei Dürre.
Tragfähigkeit des Bodens beurteilen
Die LK Oberösterreich beschreibt für die Befahrbarkeit den Knettest an der Spatenprobe: Ist ein Bodenbrocken „knetbar, breiig (ähnlich wie Plastelin)“, ist der Boden sehr feucht bis nass, nicht befahrbar und die Gefahr einer Bodenverdichtung hoch; zerbröselt er beim Zusammendrücken, ist Befahren möglich, schwere Geräte und schmale Reifen können aber bereits verdichten. Wie sich der Druck der Fahrzeuge im Boden ausbreitet und warum die Radlast über die Tiefenwirkung entscheidet, erläutert der Ratgeber Bodenbearbeitung bei Nässe.
Fällt der Knettest breiig aus, wird die Ernte verschoben: Silomais mit unter 28 % Trockenmasse reift laut LK Tirol um etwa einen Prozentpunkt in drei bis fünf Tagen weiter. Tragfähige Schläge werden zuerst geerntet, staunasse zuletzt.
Bereifung, Reifendruck und Radlast
Die Grundregeln – der Bodendruck in rund 10 cm Tiefe entspricht etwa dem Reifeninnendruck, auf gelockerten, feuchten Böden gelten laut AGES höchstens 1 bar, auf trockenen Böden etwa bei der Ernte höchstens 2 bar – sind im Ratgeber Bodenbearbeitung bei Nässe beschrieben; für die Maisernte zählt vor allem die Radlast. Auf dem Feld wird der Druck auf den vom Reifenhersteller für die jeweilige Radlast freigegebenen Mindestwert der Reifendrucktabelle abgesenkt; lässt die Tabelle bei voller Beladung den Zielwert von höchstens 1 bar nicht zu, wird die Radlast durch Teilbeladung gesenkt. Die AGES setzt die Obergrenze bei 5 t Radlast – volle Häcksler, Kipper und Überladewagen erreichen sie schnell. Teilbeladung auf dem Feld senkt die Radlast unmittelbar und ist ohne Umrüstung umsetzbar.
- Teilbeladung: Häcksler-Bunker, Kipper und Überladewagen auf dem Schlag nur so weit füllen, dass die Radlast unter der Grenze bleibt; die Tiefenwirkung bestimmt laut AGES die Radlast, nicht die Reifenbreite.
- Reifendruckregelanlagen senken den Druck auf dem Feld ab und heben ihn für die Straße wieder an – ohne sie bleibt der Straßendruck im Schlag meist zu hoch.
Fahrspuren bündeln und Abfuhr am Vorgewende organisieren
Auf wassergesättigtem Boden zählt neben dem Druck je Überfahrt die insgesamt befahrene Fläche. Ziel sind wenige, mehrfach genutzte Spuren; die AGES nennt das Anlegen von Fahrgassen (Controlled Traffic Farming) als Möglichkeit, die belastete Fläche zu verkleinern. Für die Maisernte heißt das:
- Abfuhrfahrzeuge fahren auf der abgeernteten Seite parallel zum Häcksler und nutzen bei jeder Fahrt dieselbe Spur.
- Kipper mit Straßenbereifung bleiben am Vorgewende oder Feldweg; im Schlag fahren nur feldtauglich bereifte, teilbeladene Fahrzeuge oder ein Überladewagen, der am Feldrand umlädt.
- Schlupf vermeiden: langsam anfahren, keine engen Kurven unter Last, Wenden nur auf einer festgelegten Vorgewendefläche.
Fahrspuren am Vorgewende werden nicht im nassen Herbst gelockert: Eine Tiefenlockerung braucht laut AGES trockene Bodenbedingungen in der gesamten Arbeitstiefe, und bei anschließend intensiver Nutzung ist die Gefahr einer Wiederverdichtung hoch. Wann und wie eine Tiefenlockerung sinnvoll ist, beschreibt der Ratgeber Bodenbearbeitung bei Nässe.
Erntegut: Schnitthöhe, Corncracker und Trockensubstanz
Unabhängig von der Häcksellänge ist die Kornaufbereitung über den Corncracker die maßgebliche Einstellung für die Futterqualität (LK Kärnten). Kontrollwert: höchstens ein ganzes Korn je Liter frischem Häckselgut. Die theoretische Häcksellänge liegt bei 30 bis 35 % Trockenmasse bei 6 bis 8 mm; sehr feuchtes Erntegut kann bis 12 mm gehäckselt werden. Die Mindesthäckselhöhe beträgt 25 bis 30 cm; auf verschlammten Flächen wird höher geschnitten, damit weniger Erde und verschmutzte Stängelbasis in die Silage gelangen.
Die Trockensubstanz der Gesamtpflanze sollte laut LK Kärnten für Milchvieh bei 32 bis 36 % liegen, für Mastrinder bis 38 %. Ohne Trockenschrank lässt sich der Stand im Feld schätzen (LK Tirol): Tritt beim Verdrehen des aufgeschnittenen Stängels noch Saft aus, liegt die Restpflanze bei rund 20 % TM; ist sie nur feucht, bei rund 24 %; sind Blätter braun und Stängel trocken, bei rund 28 %. Körnermais wird nach der physiologischen Reife (Black Layer) zügig gedroschen, sobald der Boden es zulässt – lange stehende reife Bestände sind laut LK Oberösterreich sehr anfällig für Fusarienbefall.
Silierung bei hoher Feuchte
Liegt die Trockenmasse deutlich unter dem von der LK Kärnten genannten Zielbereich, ist mit Sickersaft zu rechnen; sehr nasses Erntegut wird nach Möglichkeit getrennt von bereits vergorener Silage einsiliert. Der Sickersaft ist in einer dichten Grube (Jauche- oder Güllegrube) aufzufangen; eine Einleitung in Gewässer ist nach dem Wasserrechtsgesetz 1959 (§ 32) nicht zulässig, in den Kanal nur mit Zustimmung des Kanalbetreibers. Kennwerte:
- Verdichtung: Zielwert rund 230 kg TM je m³ (bezogen auf Silomais mit etwa 32 % TM); Walzgewicht etwa ein Viertel der stündlichen Bergeleistung; Schichten unter 30 cm einwalzen.
- Siliermittel: Die LK Kärnten empfiehlt bei ungünstigen Erntebedingungen geprüfte Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 (gegen Nacherwärmung) – von heterofermentativen Bakterienpräparaten bis zu chemischen Produkten auf Säurebasis bei besonders problematischen Bedingungen; die Dosierung erfolgt automatisch über das Erntegerät, eine händische Anwendung wirkt nur an der Silooberfläche.
- Abschluss: Silo zügig füllen, höchstens eine halbe Stunde nachwalzen, sofort luftdicht abdecken und beschweren.
Für Körnermais ohne Trocknungsmöglichkeit ist Maiskolbenschrot (MKS/CCM) mit 32 bis 35 % Erntefeuchte oder die Ganzkornsilierung von Feuchtkornmais mit 28 bis 33 % eine Option (LK Oberösterreich); Bruchkörner, Spindelteile und Lieschen bleiben als Fusarienträger am Feld.
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Häufige Fragen (FAQ)
- Wann ist der Boden für die Maisernte nicht mehr befahrbar? Die LK Oberösterreich empfiehlt den Knettest an der Spatenprobe: Ist der Bodenbrocken knetbar und breiig, ist der Boden nicht befahrbar und die Verdichtungsgefahr hoch. Zerbröselt er beim Zusammendrücken, ist Befahren möglich, schwere Geräte und schmale Reifen können aber bereits verdichten.
- Welcher Reifendruck und welche Radlast gelten auf feuchtem Boden? Die AGES nennt auf gelockerten, feuchten Böden höchstens 1 bar und eine Obergrenze von 5 t Radlast. Der Druck wird nach der Reifendrucktabelle des Herstellers für die tatsächliche Radlast abgesenkt; lässt die Tabelle bei voller Beladung den Zielwert nicht zu, wird die Radlast durch Teilbeladung gesenkt.
- Wie werden Fahrspuren bei der Maisernte auf nassem Boden gebündelt? Abfuhrfahrzeuge fahren auf der abgeernteten Seite parallel zum Häcksler und nutzen immer dieselbe Spur. Kipper mit Straßenbereifung bleiben am Vorgewende oder Feldweg, im Schlag fahren nur feldtauglich bereifte, teilbeladene Fahrzeuge oder ein Überladewagen.
- Wie wird der Häcksler bei nassem Erntegut eingestellt? Maßgeblich ist die Kornaufbereitung über den Corncracker mit höchstens einem ganzen Korn je Liter Häckselgut. Sehr feuchtes Erntegut kann bis 12 mm gehäckselt werden, und auf verschlammten Flächen wird höher als die Mindesthäckselhöhe von 25 bis 30 cm geschnitten, damit weniger Erde in die Silage gelangt.
- Welche Siliermittel eignen sich für nassen Silomais? Die LK Kärnten empfiehlt bei ungünstigen Erntebedingungen geprüfte Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 gegen Nacherwärmung, von heterofermentativen Bakterienpräparaten bis zu Säureprodukten bei besonders problematischen Bedingungen. Die Dosierung erfolgt automatisch über das Erntegerät.
Beitragsbild: Symbolfoto (Pixabay- bzw. Unsplash-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung). Fachliche Angaben nach Empfehlungen der Landwirtschaftskammern, der AGES und der Nitrat-Aktionsprogramm-Verordnung (Stand: September 2026), ohne Gewähr – verbindliche Auskunft gibt die zuständige Landwirtschaftskammer.
