Herbstaussaat bei Dauerregen

Herbstaussaat bei Nässe: Wintergerste richtig bestellen

Die Herbstaussaat bei nassem Saatbett ist für Wintergerste eine heikle Situation: Die Kultur reagiert laut Landwirtschaftskammer Österreich empfindlich auf Staunässe, schlechte Durchlüftung und Verdichtungen. Wenn anhaltende Niederschläge die Befahrbarkeit einschränken, entscheidet weniger der Kalender als der Bodenzustand darüber, wann gesät wird. Dieser Ratgeber fasst die Empfehlungen der Landwirtschaftskammern und der AGES für die Bestellung unter feuchten Bedingungen zusammen.

Befahrbarkeit prüfen: Fingerprobe statt Bauchgefühl

Ob ein Schlag nach Starkregen bearbeitet werden kann, lässt sich mit der Spatenprobe beurteilen. Die LK Oberösterreich empfiehlt, Erdbrocken aus unterschiedlichen Tiefen zwischen den Fingern zu zerdrücken: Zerbröselt der Brocken beim Zusammendrücken, ist der Boden frisch bis feucht und befahrbar, bei schweren Geräten besteht aber Verdichtungsgefahr. Lässt er sich kneten und wirkt breiig, ist der Boden zu nass – eine Befahrung ist dann nicht möglich, weil Verdichtungen drohen, die bis in die Folgekultur wirken.

In diesem Fall ist Abwarten die bessere Entscheidung. Ein um einige Tage späterer Saattermin kostet weniger Ertrag als eine Bodenverdichtung im Wurzelraum. Praktische Hinweise zur Bearbeitung feuchter Böden, zu Reifendruck und Achslasten enthält der Ratgeber Bodenbearbeitung bei Nässe.

Saatbett bei Nässe: flach arbeiten, nicht einschmieren

Die LK Kärnten formuliert es knapp: Besonders Gerste nicht einschmieren. Wird der Boden im nassen Zustand bearbeitet, entstehen Schmierschichten und Verdichtungen, die den Wasserabzug behindern. Für die Praxis ergeben sich daraus folgende Regeln:

  • Bearbeitungsgänge auf das Nötigste beschränken; jede zusätzliche Überfahrt mit Kreiselegge oder Grubber belastet den feuchten Boden.
  • Grundbodenbearbeitung und Aussaat zeitlich eng koppeln. Fallen zwischen beiden Arbeitsgängen größere Niederschläge, verschlechtern sich Befahrbarkeit und Saatbedingungen deutlich.
  • Wo die Bodenstruktur es zulässt, kann eine Mulchsaat mit flacher Bearbeitung die Belastung gegenüber einer tiefen Lockerung verringern.
  • Ein grobscholliges, hohlraumreiches Saatbett bietet Schnecken Unterschlupf und verschlechtert den Bodenschluss; ein zu feines Saatbett verschlämmt bei weiteren Niederschlägen. Die LK Kärnten warnt bei nassem Herbst ausdrücklich vor zu feiner Saatbettbereitung. Ziel ist ein mittelfeines, gut rückverfestigtes Saatbett.

Saatzeitpunkt: Abwarten ist bis Mitte Oktober möglich, danach wird es eng

Ein Verschieben der Saat von Ende September auf Anfang bis Mitte Oktober ist bei Wintergerste unproblematisch: Das übliche Saatfenster reicht laut Landwirtschaftskammern von Ende September bis Mitte Oktober, für zweizeilige Sorten bis etwa 20. Oktober (Details im Ratgeber Wintergerste Aussaat). Ein Trockenfenster innerhalb dieser Spanne abzuwarten ist daher meist möglich. Darüber hinaus wird es rasch eng, weil Wintergerste vor der Vegetationsruhe ausreichend bestocken muss. Ein späterer Termin senkt zudem das Risiko von Herbstinfektionen mit dem Gelbverzwergungsvirus (AGES). Die Unterschiede zu Weizen sind im Beitrag Herbstaussaat Weizen und Wintergerste zusammengefasst.

Saattiefe, Saatstärke und Sortenwahl bei Spätsaat

Die Ablagetiefe beträgt bei Wintergerste 2 bis 3 cm. Die LK Kärnten weist darauf hin, dass eine zu tiefe Saat bereits erste Ertragseinbußen bringt; das gilt bei feuchtem, kühlem Boden umso mehr, weil der Auflauf ohnehin verzögert ist. Den Bodenschluss stellen Andruckrollen und eine exakte Tiefenführung der Säschare her, nicht eine tiefere Ablage. Vor dem Einsatz sollten Schare, Tiefenführung und Dosierung geprüft werden, damit die Ablage auch bei klebrigem Boden gleichmäßig bleibt.

Verschiebt sich der Termin, ist die Saatstärke anzupassen. Die LK Kärnten empfiehlt für zweizeilige Wintergerste bis 30. September 270 bis 300, vom 1. bis 15. Oktober 300 bis 350 Körner/m² und danach je Woche späterer Saat rund 25 Körner/m² mehr; mehrzeilige Sorten liegen ab Mitte Oktober bei 320 bis 350 Körner/m². Als praxisübliche Obergrenze gelten etwa 350 Körner/m², unter ungünstigen Bedingungen wie sehr tonigen Böden mit einem Zuschlag von bis zu 50 Körnern/m². Bei der Sortenwahl rät die LK Kärnten, bei Anbau nach dem 20. Oktober von zweizeiligen auf mehrzeilige Sorten oder Hybridgerste umzusteigen, weil mehrzeilige Sorten weniger dichte Bestände brauchen; die Winterhärte-Einstufung der Österreichischen Beschreibenden Sortenliste (AGES) sollte bei späten Terminen berücksichtigt werden.

Düngung und Pflanzenschutz nach der Saat

Auf wassergesättigten Böden wird nicht gedüngt, und nach einer witterungsbedingten Spätsaat entfällt eine Herbstgabe zu Wintergerste in der Regel ohnehin. Welche Fristen und Mengen im Herbst gelten, erklärt der Ratgeber Gülleausbringung im Herbst: Sperrfristen.

Feuchte Witterung begünstigt Ackerschnecken. Die LK Oberösterreich empfiehlt für den Herbstanbau, nasse Bretter an mehreren Stellen des Feldes auszulegen und etwas Schneckenkorn darunter zu geben. Werden Schnecken gefunden, soll die Behandlung unmittelbar bis wenige Tage nach der Saat erfolgen. Zugelassen sind Präparate auf Basis von Eisen-III-Phosphat oder Metaldehyd; maßgeblich sind die Zulassung des Mittels für die Kultur laut österreichischem Pflanzenschutzmittelregister und die Gebrauchsanleitung, insbesondere eine gleichmäßige Verteilung mit ausreichender Kornzahl je Quadratmeter. Nach dem Auflaufen sollten Feldaufgang und Blattlausbesatz regelmäßig kontrolliert werden; lückige Bestände lassen sich innerhalb des Saatfensters noch nachsäen.

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Häufige Fragen (FAQ)

  • Wann ist der Boden zu nass für die Herbstaussaat? Lässt sich ein Erdbrocken kneten und wirkt breiig, ist der Boden zu nass; zerbröselt er beim Zusammendrücken, kann gesät werden. Bei zu nassem Boden ist Abwarten die bessere Entscheidung, weil Verdichtungen bis in die Folgekultur wirken.
  • Wie lange kann ich die Wintergerste-Saat verschieben? Das Saatfenster reicht laut Landwirtschaftskammern von Ende September bis Mitte Oktober, für zweizeilige Sorten bis etwa 20. Oktober. Ein Trockenfenster innerhalb dieser Spanne abzuwarten ist meist möglich, danach wird es eng.
  • Wie ändert sich die Saatstärke bei später Saat? Die LK Kärnten empfiehlt je Woche späterer Saat rund 25 Körner/m² mehr, bis zu einer praxisüblichen Obergrenze von etwa 350 Körnern/m². Nach dem 20. Oktober rät sie zum Wechsel auf mehrzeilige Sorten oder Hybridgerste.

Beitragsbild: Symbolfoto (Pixabay- bzw. Unsplash-Lizenz, freie kommerzielle Nutzung). Fachliche Angaben nach Empfehlungen der Landwirtschaftskammern, der AGES und der Nitrat-Aktionsprogramm-Verordnung (Stand: September 2026), ohne Gewähr – verbindliche Auskunft gibt die zuständige Landwirtschaftskammer.

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