Zwei Auszeichnungen für einen streitbaren Bergbauern
Der Unabhängige Bauernverband (UBV) Österreich hat Hans Ilsinger mit dem Hans Kudlich Award 2026 ausgezeichnet. Kurz zuvor erhielt der Ehrenobmann des UBV Steiermark auch den Ehrenring der Landwirtschaftskammer Steiermark.
Würdigung für ehrenamtlichen Einsatz
Heuer im Herbst hat der UBV Österreich Hans Ilsinger den Hans Kudlich Award verliehen. Der Preis soll Bauern würdigen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, dass sich die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft verbessert und ihre Leistungen für die Gesellschaft sichtbarer und angemessener abgegolten werden, im Einkommen wie in der öffentlichen Wahrnehmung.
Aus Sicht des Verbandes bleibt vieles davon unbemerkt: Die Bauern erbrächten enorm viel für die Allgemeinheit, und das ohne Gegenleistung. Die niedrigen Einkommen zeigten das deutlich. Wer Landwirte an ihren Hektar messe, ohne die Zusammenhänge zu kennen, zeichne ein Zerrbild, das mit der harten ökonomischen Realität wenig zu tun habe.
Lage der Betriebe aus Sicht des UBV
Nach Einschätzung des UBV lebt etwa die Hälfte bis vier Fünftel der Bauern nicht vom laufenden Ertrag, sondern von der Substanz. Besonders sichtbar sei der Kaufkraftverlust bei der Milch. Angesichts der Entwicklung bei den Erzeugerpreisen und der Dürre rechnet der Verband damit, dass allein von 2026 auf 2027 bis zu 30 Prozent der Betriebe aufgeben könnten. Das sind Einschätzungen des UBV, belegt werden sie in der Vorlage nicht.
Vom Gründer zum Kammerrat
Solchen Fehlentwicklungen mit neuen Ideen und konkreten Lösungen zu begegnen, trieb Ilsinger an, den UBV Steiermark zu gründen. Der Bauer „mit Leib und Seele“ zog auf Anhieb in die Landeskammer der Landwirtschaftskammer Steiermark ein. Bei drei Wahlen trat er mit seinem Team an, und dreimal sprachen ihm die Wähler ihr Vertrauen aus.
Unter seiner Führung brachte der steirische Verband die Forderung nach neuen Wegen in der Agrarpolitik auf den Tisch. Federführend arbeitete er dabei mit dem bereits verstorbenen Hans Herbst, dem steirischen UBV-Team und den übrigen Bundesländern im Bundesvorstand zusammen. Daraus entstand das UBV-Programm „Neue Wege in der Agrarpolitik“.
Der Sockelbetrag als Gegenentwurf
Gemeinsam mit seinem Nachfolger als Landesobmann und Spitzenkandidaten, Landeskammerrat Rudi Gutjahr, entwickelte Ilsinger den aktuellen Vorschlag für eine komplett neue Ausrichtung der Agrarpolitik. Der UBV präsentiert ihn österreichweit als Antwort auf die aus seiner Sicht verfehlte Gemeinsame Agrarpolitik der EU.
Kernstück ist ein Sockelbetrag-Modell, das alle von den Bauern erbrachten Leistungen abgelten soll. Betriebe ab 20 Hektar sollen 30.000 Euro erhalten. Für Betriebe mit 1 bis 19 Hektar sowie für jene bis 100 Hektar ist eine Staffelung und eine Deckelung vorgesehen.
Der UBV begründet das mit scharfer Kritik: Die Agrarpolitik von Brüssel bis Wien habe sich von dem entfernt, was den Bauern vor dem EU-Beitritt versprochen worden sei. Die heimischen Landwirte müssten sprichwörtlich mit dem Ochsenfuhrwerk arbeiten, während Mitbewerber mit modernster Technik produzierten. In der EU sei vieles verboten, was für die Produktion hilfreich wäre. Länder, mit denen die EU Handelsverträge abgeschlossen habe, etwa im Rahmen von Mercosur oder mit der Ukraine, dürften hingegen alles tun, was hier untersagt sei, und gefährdeten damit Bauernexistenzen.
Ehrenring der Landwirtschaftskammer
Der Ehrenobmann des UBV Steiermark wurde zudem von der Landwirtschaftskammer Steiermark mit dem Ehrenring ausgezeichnet. Die seltene Ehrung erhalten Bauernvertreter, die mindestens drei Perioden als Landeskammerrat gewirkt haben. Ilsinger tat das mit großem Aufwand und Fachwissen, als Vertreter für Bergbauernfragen sowie im Hauptausschuss, im Umweltausschuss, im Milchausschuss und im Tierzuchtausschuss. Praktische Fragen brachte er stets auf den Punkt und verband sie, wie es der UBV nach eigenen Worten hält, mit konkreten Lösungsvorschlägen. Das galt besonders für die Direktvermarktung, die er auf der Schrabachalm mit seiner Frau Birgit und den Hofnachfolgern, Sohn Hannes und Schwiegertochter Chrisi, selbst lebt.
Waidmann, Kapellmeister, Familienvater
Sein Einsatz für den Bauernstand gilt auch der Jagd. Ilsinger ist ein Waidmann mit Liebe zu den Wildtieren und war langjähriger Obmann und Kapellmeister der Musik in Donnersbach. Auch die Jagdhornbläser dort gibt es seinetwegen. Für Fröhlichkeit und Kultur hatte er stets Zeit.
Über das öffentliche Wirken des Vaters von vier Söhnen ließe sich nach den Worten der Laudatio trefflich ein Buch schreiben, ebenso über das seiner Frau Birgit, die auf der Schrabachalm den besten Kaiserschmarren weit und breit kocht. Menschen, die sich einsetzen, ohne nach Gegenleistung zu fragen, seien für die Gesellschaft von unermesslichem Wert. Hans Ilsinger gehöre zu ihnen und sei in vielerlei Hinsicht ein echtes Vorbild.
Der Beitrag Zwei Auszeichnungen für einen streitbaren Bergbauern erschien zuerst auf Blick ins Land.
Weitere Beiträge





