Krisen-Destillation in Österreich: ÖWV-Präsidium fordert Rotwein-Entlastung
Angesichts eines massiven Marktungleichgewichts hat sich das Präsidium des Österreichischen Weinbauverbandes (ÖWV) in seiner jüngsten Sitzung für eine Krisen-Destillation ausgesprochen. Rund zehn Millionen Liter Rotwein der Jahrgänge 2025 und älter sollen über die EU-Agrarkrisenreserve vom Markt genommen werden. Die Maßnahme, die bereits in Deutschland und Frankreich grünes Licht aus Brüssel erhalten hat, könnte für viele Betriebe zur existenziellen Rettung werden.
Warum die Rotwein-Lager überquellen
Der österreichische Weinbau steckt tief in der Krise. Der Konsum von Rotwein ist seit Jahren rückläufig – die Nachfrage sinkt, während die Produktion auf hohem Niveau bleibt. Die Folge: Ein stetig wachsender Lagerbestand, der am Markt nicht mehr untergebracht werden kann. Die Absatzklemme bedroht zunehmend die Existenz vieler Winzer, insbesondere in den klassischen Rotwein-Regionen. Der ÖWV sieht die Lage so ernst, dass er nun den Schritt der Krisen-Destillation fordert, ähnlich der kürzlich genehmigten Anträge in Deutschland und Frankreich.
Ein Signal aus Brüssel: EU macht den Weg frei
Die EU-Kommission hat bereits für die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und Württemberg sowie für Frankreich Krisen-Destillationen genehmigt. Dies setzt ein deutliches Signal: Die Agrarkrisenreserve kann zur Marktentlastung genutzt werden. Österreich will nun nachziehen. Derzeit werden laut ÖWV gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium Kennzahlen ausgearbeitet, um an die EU-Kommission heranzutreten. Beabsichtigt ist die Destillation von rund zehn Millionen Litern Rotwein – ein Volumen, das helfen soll, den Druck vom gesättigten Markt zu nehmen.
Mehr als nur Destillation: Krisenstab und Rodung gefordert
Doch die Rotwein-Schwemme ist nicht das einzige Problem. Das Präsidium des ÖWV fordert darüber hinaus einen nationalen Krisenstab, um die Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung entschlossener zu bekämpfen. Diese Krankheit setzt den Weingärten massiv zu. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, schlägt der ÖWV vor, Winzern in Befallsgebieten eine Rodung und befristete Stilllegung befallener Flächen zu ermöglichen – allerdings nur mit einer entsprechenden Finanzierung. Ohne staatliche Unterstützung, so die Befürchtung, könnten sich die Krankheitsherde weiter ausbreiten und ganze Regionen erfassen.
Zwischen Hoffnung und Skepsis: Was die Destillation bringt
Die geplante Destillation könnte kurzfristig den Markt entlasten, doch die Meinungen in der Branche sind gespalten. Manche Winzer sehen darin die Chance, ihre vollen Tanks zu leeren und wieder Liquidität zu bekommen. Andere befürchten, dass eine staatlich subventionierte Vernichtung von Wein langfristig den Preis verzerrt und keine nachhaltige Lösung bietet. Klar ist: Die Maßnahme allein wird die Strukturprobleme nicht lösen – sie verschafft den Betrieben aber dringend benötigten Atem, um sich auf neue Marktbedingungen einzustellen.
Der ÖWV betont, dass es sich um eine außerordentliche Krisenintervention handelt. Die Finanzierung über die EU-Agrarkrisenreserve würde die Last auf die Gemeinschaft verteilen. Ob Brüssel den österreichischen Antrag genehmigt, bleibt abzuwarten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Winzer mit einer baldigen Entlastung rechnen können.
Bildquelle: Pixabay (Unter der freien Pixabay-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)
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