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Selbstversorgungsgrad

Der Selbstversorgungsgrad ist eine betriebs- oder volkswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis der inländischen Produktion eines landwirtschaftlichen Erzeugnisses zum gesamten Inlandsverbrauch desselben Erzeugnisses innerhalb eines definierten Zeitraums (in der Regel ein Wirtschaftsjahr) beschreibt. Er wird in Prozent angegeben und berechnet sich nach der Formel: (Inlandsproduktion / Inlandsverwendung) × 100. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet, dass die Inlandsproduktion den gesamten Inlandsverbrauch deckt; Werte über 100 Prozent signalisieren einen Produktionsüberschuss, Werte darunter eine Importabhängigkeit. Die Berechnung erfolgt auf Basis von Erntemengen, Lagerbestandsveränderungen, Außenhandelsdaten sowie Futter- und Saatgutverwendung. Die Kennzahl dient der Analyse der Versorgungssicherheit und der Außenhandelsbilanz, unterliegt jedoch methodischen Einschränkungen, da sie keine qualitativen Aspekte wie Produktionsstandards oder Substitutionsbeziehungen zwischen verschiedenen Agrarrohstoffen abbildet. Sie wird von statistischen Ämtern wie dem Statistischen Bundesamt (Destatis) oder der Statistik Austria auf Ebene von Produktgruppen (z. B. Getreide, Fleisch, Milch) veröffentlicht.

Im Jahr 2026 ist der Selbstversorgungsgrad ein zentraler Indikator in der Agrarpolitik, der jedoch strikt als deskriptive Größe zu verstehen ist. Er erlaubt keine direkten Rückschlüsse auf die Effizienz der landwirtschaftlichen Produktion oder die ökologische Nachhaltigkeit, da er weder Produktionskosten noch Umweltwirkungen berücksichtigt. Rechtlich relevant ist die Kennzahl im Rahmen der Berichtspflichten nach der EU-Verordnung über die gemeinsame Marktorganisation (GMO) sowie für nationale Versorgungsbilanzen. Die Interpretation erfordert eine differenzierte Betrachtung, da ein hoher Selbstversorgungsgrad bei einzelnen Produkten (z. B. Getreide) nicht mit einer vollständigen Autarkie gleichzusetzen ist, da Vorleistungen wie Düngemittel oder Futtermittelimporte unberücksichtigt bleiben.