Hendl gefragter denn je – Chance für die Landwirtschaft?

Der Bedarf an Hühner-Mastbetrieben nimmt zu. Zahlreiche Bauern sind bereit, in die Geflügelhaltung einzusteigen, sofern es gelingt, die aktuellen großen Herausforderungen der Branche zu bewältigen.

Diese Herausforderungen waren auch großes Thema bei der Jubliläumsfeier 40 Jahre Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ), die kürzlich in der LK OÖ stattgefunden hat. Überlange Genehmigungsverfahren, steigende Dokumentationspflichten und komplexe Umwelt- und Raumordnungsvorschriften belasten viele Betriebe. In Bezug auf die EU-Industrieemissions-Richtlinie fehlen derzeit die EU-Vorgaben für die nationale Umsetzung, wodurch sich bei Investitionen ein Bremseffekt ergibt. Viele Projekte bleiben daher derzeit noch in der Schublade.

Die LK OÖ fordert für die künftige Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) eine stärkere Fokussierung auf die Investitionsförderung und Qualitätsprogramme. „Wir brauchen gezielte strategische Schwerpunktsetzungen, um in Zukunft möglichst viele Vollerwerbsexistenzen absichern zu können. Die Veredelungswirtschaft bringt Wertschöpfung. Wir wollen weiter mit aller Konsequenz daran arbeiten, bestehende Investitionsbremsen in der Bürokratie möglichst rasch abzubauen“, betont Franz Waldenberger, Präsident der LK OÖ.

Die Nachfrage nach Geflügelfleisch ist ungebrochen. „Der Eigenversorgungsgrad liegt in Österreich derzeit bei 74 Prozent, bei Hühnerfleisch bei 81 Prozent. Pro Kopf werden jährlich 13,8 Kilogramm Geflügelfleisch konsumiert, davon 10,84 Kilogramm Hühnerfleisch. Der Trend zu proteinreicher Ernährung stützt die Nachfrage. Ziel der Landwirtschaft ist es, dieses Wachstum durch eine Ausweitung der Produktion zu begleiten. Dazu sollen in den kommenden Jahren österreichweit rund 150 neue Mastbetriebe entstehen – etwa 100 in der konventionellen und rund 50 in der biologischen Produktion. Damit soll der Selbstversorgungsgrad langfristig auf über 90 Prozent steigen“, erklärt Waldenberger.

Innerhalb der EU zeigt sich ein ähnliches Bild: Bis 2030 dürfte der Geflügelfleischverzehr in der EU um etwa zwei Prozent steigen, jener von Eiern um rund 1,5 Prozent. Die Geflügelfleischerzeugung dürfte heuer in der EU um rund ein Prozent auf etwa 12,3 Mio. Tonnen steigen. Weltweit wird im Jahr 2026 ein Anstieg der Geflügelfleischproduktion um rund drei Prozent auf etwa 110,7 Millionen Tonnen prognostiziert.

Hühnermast dominiert

In der gesamten Geflügelfleischproduktion in Österreich nimmt die Hühnermast mit 86 Prozent den weitaus größten Teil ein, der Rest verteilt sich auf Truthahn, Enten und Gänse. Derzeit werden in Österreich auf 444 Betrieben Masthühner gehalten, darunter 94 in OÖ (mit knapp drei Millionen Stellplätzen). In der biologischen Produktion sind österreichweit 382 Betriebe aktiv, davon 98 in Oberösterreich (mit etwa 770.000 Stellplätzen). Diese Daten werden von der Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) erhoben. Nach Niederösterreich und der Steiermark ist OÖ der drittgrößte Geflügelfleischproduzent des Landes. In den nächsten Jahren wird OÖ voraussichtlich in der Hühnermast die Nr. 1 sein, da bei uns die meisten Stallneubauten umgesetzt werden.

Zur Unterstützung von Neueinsteigern stellen Vertragspartner attraktive Investitionszuschüsse für Stallneubauten bereit, ergänzt durch staatliche Förderprogramme. Langfristige Lieferverträge, Preisgarantien sowie Modelle der Lohnmast – bei denen Futtermittel und Küken vorfinanziert werden – sorgen für Planungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität. „Die Landwirtschaftskammer unterstützt bei der sorgfältigen Vorbereitung von Stallbauten. Aktuell begleitet die LK OÖ jährlich rund 100 Betriebe beim Einstieg in die Geflügelwirtschaft“, betont Kammerdirektor Karl Dietachmair.

In der modernen Hendlmast ist Tierwohl der Standard. „Auch im Bereich der konventionellen Masthendl-Haltung werden derzeit ausschließlich Stallungen mit Tierwohlsystemen errichtet, mit z.B. Wintergärten, Tageslicht im Stall, Vollklimatisierung mit Kühlung und Fußbodenheizung, viel Beschäftigungsmaterial und auch gentechnikfreier Fütterung. Zudem wird verstärkt auf den Einsatz langsam wachsender Rassen geachtet. Bei der Biohendl-Haltung werden zusätzlich Biofutter, 100 Prozent Bio-Gesamtbetriebsbewirtschaftung und vier Quadratmeter Wiese/Weide pro Biohendl angeboten“, erläutert Markus Lukas, Hühnermäster in der Steiermark, Obmann der Geflügelwirtschaft Österreich und Obmann der GGÖ.

Tierhaltung