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Tödliche Selfies: Wenn menschliche Berührung für Rehkitze zum Verhängnis wird - rehkitz selfie

Tödliche Selfies: Wenn menschliche Berührung für Rehkitze zum Verhängnis wird

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Ein harmloser Spaziergang, ein niedliches Rehkitz, ein schnelles Foto – und ein totes Tier. Was in Velbert (Nordrhein-Westfalen) geschah, ist kein Einzelfall, sondern ein alarmierendes Beispiel für die fatale Unwissenheit vieler Menschen im Umgang mit Wildtiernachwuchs. Zwei Spaziergänger nahmen zwei wenige Tage alte Rehkitze auf den Arm, um Erinnerungsfotos zu schießen. Die Mutter, die Ricke, nahm ihre Jungtiere danach nicht mehr an. Eines der Kitze starb, das andere schwebt in Lebensgefahr. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein wachsendes Problem: die Störung von Wildtieren durch gut gemeinte, aber tödliche Hilfe.

Die fatale Kette: Vom Foto zur Dehydrierung

Laut Augenzeugenberichten hatten die Spaziergänger die Kitze auf den Arm genommen, offenbar aus reiner Freude an den niedlichen Tieren. Doch der menschliche Geruch, der sich auf das weiche Fell überträgt, zerstört die natürliche Tarnung der Kitze. Normalerweise riechen Rehkitze quasi gar nicht, erklärt Maik-Thiemo Wolters von der Rehkitzrettung, der die Tiere später versorgte. Durch die Berührung wird nicht nur die Tarnung vor Raubtieren aufgehoben, sondern auch das Muttertier nimmt die Jungen nicht mehr an. Die Ricke, die ihre Kitze normalerweise nur zum Säugen aufsucht, um sie nicht durch ihren eigenen Geruch zu verraten, erkennt den menschlichen Duft als Gefahr und meidet die Jungen fortan. Die Folge: Die Kitze verhungern oder verdursten qualvoll. Im konkreten Fall hatten die Tiere bei Eintreffen der Retter bereits 24 Stunden nichts mehr getrunken. Das eine Kitz war zu schwach, um zu überleben, das andere leidet unter Fieber und wird mit Antibiotika behandelt.

Appell der Polizei: Hände weg von Wildtiernachwuchs

Die Kreispolizei Mettmann appelliert eindringlich an die Bevölkerung, Wildtiernachwuchs in Ruhe zu lassen. „Wer sich unsicher ist, ob ein Tier Hilfe braucht, kann sich immer an die Polizei wenden. Wir setzen uns dann mit dem zuständigen Jagdpächter in Verbindung“, sagt Diane Dulischewski von der Kreispolizei Mettmann. Der Jagdpächter, der die Kitze gefunden hatte, hoffte zunächst noch, dass die Ricke ihre Jungen wieder annimmt – vergeblich. Experten betonen, dass selbst gut gemeinte Rettungsaktionen oft tödlich enden. Nur mit Handschuhen und dem Bedecken der Tiere mit Grasbüscheln könne man den Geruch übertragen, doch das sollte Profis überlassen bleiben. Der Vorfall in Velbert ist kein Einzelfall: Immer wieder werden Rehkitze, aber auch Junghasen oder Vogelküken von Spaziergängern aufgenommen, weil sie vermeintlich hilflos wirken. Dabei ist dies ein natürlicher Überlebensmechanismus: Die Muttertiere lassen ihren Nachwuchs oft stundenlang allein, um Fressfeinde nicht anzulocken.

Was Landwirte und Jäger schon lange wissen

Für Landwirte und Jäger ist das Problem alltäglich. Besonders in der Mähsaison, wenn Rehkitze in Wiesen und Feldern abgelegt werden, kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen durch Mähmaschinen. Doch auch menschliche Unachtsamkeit fordert jedes Jahr zahlreiche Opfer. Die Rehkitzrettung, ein ehrenamtlicher Verein, ist regelmäßig im Einsatz, um Kitze vor dem Mähtod zu bewahren oder verwaiste Tiere aufzupäppeln. Im aktuellen Fall konnte eines der Kitze nicht mehr gerettet werden. Das zweite Kitz wird in einer Auffangstation in Witten behandelt. Sollte es überleben, könnte es im Herbst oder nächsten Frühjahr wieder ausgewildert werden. Doch der Ausgang ist ungewiss. Die Botschaft der Retter ist klar: Wildtiere sind keine Kuscheltiere. Ein Foto ist es nicht wert, ein Leben zu riskieren.

Bildquelle: Unsplash (Unter der freien Unsplash-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)

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