Praxistreff „Sichere Waldarbeit“ –Gefahren erkennen, bevor sie zum Unfall führen
Die Waldarbeit zählt weiterhin zu den gefährlichsten Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft. Um Unfälle zu vermeiden, sind fundierte Ausbildung, regelmäßige Weiterbildung und praxisnahe Beratung von entscheidender Bedeutung. Mit dem Praxistreff „Sichere Waldarbeit“ setzt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich in den kommenden Monaten einen gezielten Schwerpunkt zur Unfallprävention. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Sicherheitsaspekte bei der Arbeit mit der Motorsäge.
„Jeder vermeidbare Unfall im Wald ist einer zu viel. Mit dem notwendigen Fachwissen, praktischer Übung und einer guten Vorbereitung können Risiken deutlich reduziert werden. Deshalb unterstützt die Landwirtschaftskammer Oberösterreich gezielt Schulungs- und Weiterbildungsangebote für Waldbewirtschafter. Ziel ist es, die Sicherheit bei der Waldarbeit zu erhöhen und Unfälle bestmöglich zu vermeiden“, betont LK-Präsident Franz Waldenberger.
Sicherheits-Veranstaltungen direkt im Wald
„Gefahren erkennen, bevor sie zum Unfall führen“ lautet das Motto des Praxistreffs „Sichere Waldarbeit“. Die halbtägigen Veranstaltungen finden direkt im Wald statt, werden bezirksweise organisiert und sind für Teilnehmende kostenlos. Gemeinsam mit den lokalen Forstberatern der Landwirtschaftskammer und erfahrenen Praxistrainern, stehen Arbeitsvorbereitung, Einsatzplanung und die Einschätzung von Gefahrensituationen im Mittelpunkt. Ohne selbst zur Motorsäge zu greifen, lernen die Teilnehmenden Risiken bei der Arbeit mit der Motorsäge frühzeitig zu erkennen und zu beurteilen. Auch konkrete Fällsituationen werden an ausgewählten Bäumen analysiert und Schritt für Schritt besprochen. Die Veranstaltungen finden im Zeitraum von Ende Oktober bis Mitte Dezember 2026 statt.
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Traurige Unfallbilanz
Pro Jahr verunglücken in Österreich durchschnittlich 34 Menschen tödlich bei der Waldarbeit. Darauf weist das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) auf Basis von Medienbeobachtungen hin. Besonders unfallträchtig sind die Monate Jänner bis März, auf die rund 40 Prozent aller tödlichen Forstunfälle entfallen. Weitere 27 Prozent ereignen sich in den Herbstmonaten September bis November. Die häufigste Ursache schwerer Unfälle sind Fällarbeiten. 2025 standen rund 60 Prozent der tödlichen Forstunfälle mit unkontrolliert umstürzenden oder verkeilten Bäumen in Zusammenhang. Weitere etwa 30 Prozent waren auf Fehlbedienungen oder technische Defekte, beispielsweise bei Traktoren oder Anhängern, zurückzuführen. Ein zusätzliches Risiko stellt die Alleinarbeit dar. Jeder zweite tödlich Verunglückte arbeitete zum Unfallzeitpunkt ohne Begleitperson, wodurch im Notfall oft keine unmittelbare Hilfe verfügbar ist. Nach Einschätzung des KFV könnten zahlreiche Unfälle durch eine fundierte Aus- und Weiterbildung sowie das konsequente Tragen einer vollständigen persönlichen Schutzausrüstung vermieden werden.
Fundierte Berufsausbildung senkt das Unfallrisiko
Eine fundierte Ausbildung bildet die Grundlage für sicheres und professionelles Arbeiten im Wald. Die Ausbildung zum Forstfacharbeiter vermittelt alle wesentlichen Kenntnisse und Fertigkeiten für manuelle und motormanuelle Arbeiten, von der Aufforstung und Bestandespflege bis hin zur sicheren Holzernte. Dabei stehen sowohl die fachgerechte Arbeitsausführung als auch die Arbeitssicherheit im Mittelpunkt. Darauf aufbauend bietet die Meisterausbildung in der Forstwirtschaft eine vertiefende Qualifizierung. Sie vermittelt umfassendes Fachwissen für die nachhaltige Bewirtschaftung von Waldflächen sowie Kompetenzen in der Betriebsführung und Unternehmensentwicklung. Damit werden die Absolventinnen und Absolventen auf die verantwortungsvolle Führung eines forstwirtschaftlichen Betriebes vorbereitet.
Die forstliche Berufsausbildung in Oberösterreich wird von der bei der Landwirtschaftskammer eingerichteten Lehrlings- und Fachausbildungsstelle koordiniert. Sie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur fachlichen Qualifizierung und zur Arbeitssicherheit in der Forstwirtschaft. Seit dem Jahr 2000 haben insgesamt 2.128 Personen die Forstfacharbeiterprüfung erfolgreich abgeschlossen. Weitere 517 Absolventinnen und Absolventen erlangten den Forstwirtschaftsmeisterbrief. Diese Zahlen unterstreichen die hohe Bedeutung einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung und zeigen das große Engagement der oberösterreichischen Waldbewirtschafter für fachliche Kompetenz und sicheres Arbeiten im Wald.
Praxisnahe Weiterbildung für mehr Sicherheit
Ergänzend zur Berufsausbildung und zum Weiterbildungsangebot der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen setzt die LK OÖ über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI) auf ein breites Weiterbildungsangebot. Besonderen Stellenwert haben dabei Motorsägen‑ und Arbeitstechnikkurse in Kleingruppen, in denen maximal sechs Teilnehmende unter Anleitung erfahrener Profis direkt im Wald mit der Motorsäge arbeiten. Geübt werden sichere Arbeitsabläufe ebenso wie spezielle Techniken in der Stark‑ und Schwachholzernte – praxisnah und angepasst an die jeweilige Ausrüstung der Teilnehmenden.
Ein besonderes Erfolgsmodell ist die LFI-Ausbildungsreihe „Frauen im Wald“. Die speziell für Frauen konzipierten Kurse bieten Raum, den sicheren Umgang mit der Motorsäge ohne Hemmschwellen zu erlernen und zu perfektionieren.
SVS-Sicherheitshunderter nutzen
Wer in der Forstwirtschaft arbeitet, sollte bei der persönlichen Schutzausrüstung keine Kompromisse eingehen. Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) setzt mit dem „Sicherheitshunderter“ einen wichtigen Anreiz für mehr Arbeitssicherheit und unterstützt unfallversicherte Land- und Forstwirte beim Ankauf von Schutzausrüstung wie Forsthelmen, Schnittschutzhosen oder Forstsicherheitsschuhen. Die Förderung von bis zu 100 Euro leistet einen wertvollen Beitrag zur Unfallprävention und hilft dabei, die Sicherheit bei der täglichen Arbeit im Wald weiter zu erhöhen.






