Alte Getreidesorten kehren in Salzburg auf Äcker und Verkaufstheken zurück
Im Flachgau gibt es erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder Mehl und Brot aus alten Haunsberger Getreidesorten zu kaufen. Wie salzburg.ORF.at berichtet, haben sich fünf Landwirte im Bezirk zusammengetan, um die regionalen Urkornsorten vor dem Aussterben zu bewahren. Erhältlich sind die Produkte in ausgewählten Bäckereien, Bioläden und Mühlen.
Beinahe verschwunden
Dass es Haunsberger Roggen, Weizen und Dinkel überhaupt noch gibt, ist vor allem Alexander Diethard zu verdanken. Er stieg 2021 aus seinem IT-Beruf aus und übernahm das Biogut Oberwald in Anthering. Sein Vorgänger Gottfried Weilbuchner war damals der letzte Bauer im Flachgau, der die alten Sorten noch anbaute. Alle anderen waren längst auf moderne Hochleistungssorten umgestiegen. Laut dem Bericht war das Erbgut der alten Flachgauer Sorten nicht einmal in einer Saatgutdatenbank großteils gesichert.
Vom Saatgut zur ersten Vermarktung
Der Neustart brauchte Geduld. Die ersten vier Jahre dienten fast ausschließlich der Vermehrung des Saatguts, damit weitere Landwirte beliefert werden konnten. Die Erträge lagen anfangs deutlich unter jenen von konventionellem Saatgut. Heute bauen fünf Betriebe in Anthering, Obertrum, Berndorf, Seekirchen und Eugendorf die alten Sorten biologisch und möglichst in Handarbeit an:
- Haunsberger Roggen: Wintergetreide, das bei niedrigen Temperaturen wächst und derzeit ausgesät wird
- Haunsberger Weizen: hoher Proteingehalt, gilt als gut verdaulich
- Dinkel-Rotkornsorten: ergänzen das Sortiment
Generell sind die Körner der alten Sorten kleiner als bei modernen Züchtungen. Sie haben aber einen höheren Schalenanteil und gelten als besonders nährstoffreich.
Trotz der Trockenheit ernteten die fünf Familien heuer gemeinsam 14 Tonnen Urgetreide. Für das kommende Jahr hoffen sie auf bis zu 26 Tonnen, also fast doppelt so viel. Vermahlen wird das Getreide zu Weiß- und Vollkornmehl, und zwar in der Hochmühle in Plainfeld und in der Lerchenmühle in Golling. Wer selbst in die Aufbereitung einsteigen möchte, findet unter anderem bei Gebrauchtmaschinen für die Aufbereitung passende Angebote.
Brot aus Haunsberger Roggen
Erstmals reicht die Menge, um zwei Bioläden und drei Bäckereien zu beliefern. Diethard betont, dass es sich um langfristige Partner handelt, die das Getreide nicht nur als Marketingmittel nutzen. Einer der ersten Abnehmer ist Bäcker Alexander Hock aus Berndorf bei Salzburg, Bäckerei Brot.Wert. Er bietet nun Haunsberger Roggen-Urkornlaibe an und will damit schrittweise Mehl aus Niederösterreich ersetzen. Laut Hock ist die Nachfrage bereits groß. Weil das Mehl teurer ist als konventionelle Ware, kosten die Laibe rund 30 Prozent mehr als vergleichbare Brote der Bäckerei.
Gemeinsam im Verein „Flachgauer Troadkultur“
Für Anbau, Logistik und Vermarktung haben sich die Bio-Landwirte im Verein „Flachgauer Troadkultur“ zusammengeschlossen. „Troad“ ist das Dialektwort für Getreide. Obmann ist Alexander Diethard. Der Verein legt gemeinsame Mindeststandards für den biologischen Anbau fest und erleichtert die Auslieferung. Außerdem soll die Wertschöpfung gerecht auf die beteiligten Bauern verteilt werden. Als Vorteil nennt Diethard vor allem, dass die Betriebe nach außen geschlossen auftreten.
Einordnung
Das Projekt zeigt, wie regionale Sortenvielfalt über Direktvermarktung und Partnerschaften mit Mühlen und Bäckereien wieder wirtschaftlich werden kann. Alte Sorten bleiben vorerst eine Nische. Für Betriebe, die auf Herkunft, Bio-Qualität und Differenzierung setzen, sind sie aber eine interessante Ergänzung.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: news.google.com
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