Kärnten forciert grenzüberschreitendes Wolfsmanagement im Alpenraum
Kärntner Vertreter der Land- und Almwirtschaft fordern, dass in Italien und Slowenien künftig mehr Wölfe geschossen werden, damit weniger Tiere nach Kärnten zuwandern. Jagdreferent Martin Gruber (ÖVP) lud dazu gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Vertreter aus Slowenien und Italien zu einem Wolfsgipfel nach Klagenfurt ein. Der WWF warnt vor Verstößen gegen EU-Recht, aus Italien kommt Ablehnung.
Ziel des Gipfels: Nachbarländer sollen nachziehen
Nach Grubers Worten sollen nach der Senkung des Schutzstatus auf EU-Ebene auch die Nachbarländer „in dem Bereich auf den Weg gebracht werden“. Es gehe darum, „auch rechtskonform dieser Problematik der Wiederkehr des Großraubwildes des Wolfes auch entgegenzuwirken“. Der Schutzstatus des Wolfs wurde auf EU-Ebene im Vorjahr gelockert. Eine zentrale Vorgabe bleibt aber bestehen: Das Wolfsmanagement muss mit einem günstigen Erhaltungszustand vereinbar sein.
Erhaltungszustand: Kärnten plädiert für Alpenraum-Betrachtung
Laut einem Bericht des „Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs“ ist der Erhaltungszustand in Österreich derzeit nicht zufriedenstellend. Kärnten möchte die Population deshalb nicht nur auf österreichischer Ebene betrachten, sondern über den gesamten Alpenraum. Gruber: „Die Wolfspopulationen kennen keine administrativen Grenzen. […] deshalb ist auch in diesem Alpenbogen der Zustand zu betrachten und da haben wir einen Haltungszustand, der adäquat wäre.“
Vorgaben des EuGH
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat 2024 und 2025 festgelegt, wie der Erhaltungszustand des Wolfs zu bewerten ist:
- Zuerst muss festgestellt werden, ob sich die Population im konkret betroffenen lokalen Gebiet, etwa auf Bundeslandebene, in einem günstigen Erhaltungszustand befindet.
- Danach folgt die Prüfung auf nationaler Ebene.
- Erst danach darf die überregionale Ebene betrachtet werden.
WWF warnt vor Ausweitung der Abschusspolitik
Der WWF kritisiert das Vorhaben scharf. „Kärntens Abschusspolitik missachtet das EU-Artenschutzrecht. Das auch noch auf Nachbarländer auszuweiten, wäre der völlig falsche Weg“, so WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. Wildtiere gehörten zur Natur. Die Politik müsse Konflikte durch wirksamen Herdenschutz entschärfen, statt Abschüsse zur Standardlösung zu machen.
Italienische NGO: Kooperation ja, aber nicht zur Tötung
Francesco Romito von der italienischen NGO APS hält eine Kooperation beim Wolfsmanagement im Alpenraum für nötig und willkommen. Wissenschaftliche Daten und Managementstrategien sollten geteilt werden. Das heiße aber nicht, die Tötung der Tiere zu koordinieren oder zu verstärken. Länder seien verpflichtet, die Art zu erhalten. Man sei vor allem besorgt, dass mehr Abschüsse in Italien oder Slowenien als Mittel dargestellt werden, um die Zahl der Wölfe in Kärnten zu senken. Die Wölfe im Alpenraum seien verbunden und bewegten sich dynamisch zwischen den Ländern. Der Kärntner Ansatz reduziere ein komplexes ökologisches Management auf die reine Entnahme. Eine gute Strategie brauche gemeinsames Monitoring, zuverlässige Populationsdaten, Herdentierschutz und Informationsaustausch zwischen den Behörden.
Offene Frage: Folgen die Nachbarländer?
Ob die Nachbarregionen dem Kärntner Wunsch nachkommen, ist offen. Italien und Slowenien waren bei der Entnahme von Wölfen bisher zurückhaltend.
Ursprüngliche Meldung/Quelle: kaernten.orf.at
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