Schlupfwespen

Schlupfwespen (Hymenoptera: Ichneumonidae sowie weitere Familien wie Braconidae) sind eine artenreiche Gruppe parasitoid lebender Hautflügler, die in der Landwirtschaft als Nützlinge zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Weibliche Schlupfwespen legen ihre Eier mittels eines Legebohrers in oder an Wirtsinsekten wie Raupen, Blattläuse, Weiße Fliegen oder Minierfliegen ab. Die schlüpfenden Larven entwickeln sich endo- oder ektoparasitisch und töten den Wirt im Laufe ihrer Entwicklung, wodurch die Schädlingspopulation reguliert wird. Im integrierten Pflanzenschutz, insbesondere im Gewächshausanbau von Gemüse (z. B. Gurken, Tomaten) und Zierpflanzen, werden spezifische Schlupfwespen-Arten wie Encarsia formosa (Gegen Weiße Fliege) oder Aphidius colemani (Gegen Blattläuse) ausgebracht. Die Anwendung erfolgt durch Ausbringen von Karten oder Streumaterial mit geschlüpften Adulten oder parasitierte Wirte. Rechtlich unterliegt die kommerzielle Nutzung von Schlupfwespen in Deutschland und Österreich dem Pflanzenschutzgesetz sowie der EU-Verordnung über biologische Pflanzenschutzmittel (Stand 2026). Die Zulassung ist artenabhängig und setzt eine Nachweis der Wirksamkeit (Selektivität) sowie Unbedenklichkeit für Nichtzielorganismen voraus. Die Ausbringung im Freiland ist grundsätzlich möglich, aber auf Grund ökologischer Wechselwirkungen (z. B. Auswirkungen auf heimische Parasitoidengemeinschaften) nur nach Risikoprüfung zulässig. Der Einsatz zielt auf eine Reduktion chemisch-synthetischer Insektizide und wird in Beratungsempfehlungen der amtlichen Pflanzenschutzdienste als eine Maßnahme des integrierten Pflanzenschutzes aufgeführt.