Nestlé errichtet 4,5-Megawatt-Solaranlage über Weidefläche in Bayern

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Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat in Bayern eine 4,5-Megawatt-Solaranlage in Betrieb genommen, die über einer Weidefläche installiert ist. Die Anlage im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm soll künftig Strom für die Milchverarbeitung liefern, während die Kühe weiterhin darunter grasen können. Das Projekt gilt als Pilot für die Kombination von Landwirtschaft und erneuerbarer Energieerzeugung – eine sogenannte Agri-Photovoltaik.

Doppelnutzung von Flächen: Chance oder Risiko?

Die Idee, landwirtschaftliche Flächen gleichzeitig für die Stromproduktion zu nutzen, wird von vielen Experten als zukunftsträchtig bewertet. Laut Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme können Agri-PV-Anlagen die Flächeneffizienz deutlich steigern. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Weidetierhalter befürchten, dass die Konstruktionen die Bewegungsfreiheit der Tiere einschränken und die Bewirtschaftung erschweren könnten. Zudem sei die Bodenqualität unter den Modulen zu beachten, da Schatten und veränderte Niederschlagsverhältnisse das Graswachstum beeinflussen.

Technische Umsetzung und Tierwohl

Die Solaranlage von Nestlé wurde speziell für die Weidenutzung konzipiert. Die Module sind in einer Höhe von rund 4,5 Metern montiert, sodass Kühe problemlos darunter hindurchpassen. Die Konstruktion ist so ausgerichtet, dass ausreichend Licht und Niederschlag auf die Grasnarbe gelangen. Tierwohl-Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Tiere Zeit brauchen, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Erste Beobachtungen zeigen, dass die Kühe die schattigen Bereiche unter den Modulen bei starker Sonneneinstrahlung gerne aufsuchen.

Wirtschaftlichkeit und Ausblick

Nestlé investiert nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt. Der erzeugte Strom soll direkt in der benachbarten Molkerei genutzt werden, um die Produktion klimafreundlicher zu gestalten. Landwirtschaftliche Betriebe könnten von ähnlichen Modellen profitieren, indem sie Pachteinnahmen erzielen oder günstigen Strom für den Eigenbedarf beziehen. Allerdings sind die Investitionskosten für Agri-PV-Anlagen derzeit noch hoch. Die Bundesregierung fördert solche Projekte im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Ob sich die Technologie flächendeckend durchsetzt, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Strompreise und der Akzeptanz in der Landwirtschaft ab.

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