FAO und OECD prognostizieren globales Agrarwachstum von 13 Prozent bis 2035
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legen in ihrem gemeinsamen „Agricultural Outlook 2026-2035“ eine überraschend optimistische Prognose vor: Trotz Klimawandel, steigender Energiepreise und geopolitischer Spannungen soll die weltweite Agrar- und Fischereiproduktion in den nächsten zehn Jahren um 13 Prozent zulegen. Der Zuwachs basiert laut Bericht vor allem auf Produktivitätssteigerungen und einer Intensivierung der Produktion. Doch die Zahlen werfen Fragen auf: Wie nachhaltig ist dieses Wachstum? Und welche Risiken bleiben unberücksichtigt?
Wachstumsregionen und Preisstabilität
Das prognostizierte Wachstum konzentriert sich auf Asien, Subsahara-Afrika und Lateinamerika. Für Österreich oder Europa liegen keine spezifischen Daten vor. Die realen internationalen Agrarrohstoffpreise sollen laut FAO und OECD im kommenden Jahrzehnt weitgehend stabil bleiben oder leicht unter dem aktuellen Niveau liegen. Das weltweite durchschnittliche Bruttoeinkommen in der Landwirtschaft pro Arbeitnehmer wird bis 2035 voraussichtlich um 9 Prozent steigen – ebenfalls getrieben durch Produktivitätsfortschritte und stabile Preise. Doch die Experten warnen: Die Prognose sei anfällig für Marktschwankungen durch Krisen und Konflikte. Der Iran-Krieg etwa sei in den Daten von 2025 noch nicht berücksichtigt.
Energiepreise und Getreideproduktion als Risikofaktor
Ein zentraler Unsicherheitsfaktor sind die Energiekosten. Sollte sich der in der ersten Jahreshälfte 2026 beobachtete durchschnittliche Anstieg der Energiepreise um 33 Prozent in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, würde die weltweite Getreideproduktion im Jahr 2027 um 0,9 Prozent zurückgehen. OECD-Generalsekretär Mathias Cormann betont: „Unsere Agrar- und Ernährungssysteme stehen unter Druck, und unsere Landwirte sind an vorderster Front von den steigenden Energie- und Düngemittelkosten betroffen.“ FAO-Generaldirektor Qu Dongyu ergänzt: „Um das Produktivitätswachstum aufrechtzuerhalten, müssen wir die Widerstandsfähigkeit stärken. Es geht nicht darum, den letzten Schock zu überstehen, sondern sich auf den nächsten vorzubereiten.“
Klimabilanz: Treibhausgasemissionen steigen weiter
Ein alarmierender Punkt des Berichts: Die direkten Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich um 6,5 Prozent zunehmen. Rund 77 Prozent dieses Anstiegs entfallen auf die Viehhaltung – bedingt durch wachsende Tierbestände. Synthetische Düngemittel tragen mit weiteren 23 Prozent bei, vor allem durch höhere Lachgasemissionen. Während die Produktion steigt, wird die Klimabilanz der Landwirtschaft also schlechter. Dies dürfte die Debatte um nachhaltige Produktionsmethoden und Reduktionsziele weiter anheizen.
Biokraftstoffe: Nachfrage steigt, aber mit regionalen Unterschieden
Die weltweite Nachfrage nach Biokraftstoffen wird laut Prognose jährlich um 1,4 Prozent zulegen, angetrieben vor allem durch Brasilien, Indien und Indonesien. In den meisten Ländern mit hohem Einkommen hingegen verlangsamt sich das Wachstum, da politische Anreize nachlassen und die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zunimmt. Für die Landwirtschaft bedeutet dies eine Verschiebung der Absatzmärkte: Während in Schwellenländern die Nachfrage nach Energiepflanzen steigt, verlieren traditionelle Absatzwege in Industrienationen an Bedeutung.
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