Genfluss
Genfluss bezeichnet in der Agrar- und Pflanzenzuchtwissenschaft die Übertragung von Erbanlagen (Genen oder Allelen) zwischen Individuen, Populationen oder Sorten. Der Begriff umfasst sowohl natürliche als auch anthropogen beeinflusste Mechanismen. Natürlicher Genfluss erfolgt bei Pflanzen primär über Pollen (Anemogamie oder Entomogamie) sowie über Samen- und vegetative Ausbreitung; bei Tieren über Migration und Fortpflanzung. In der Landwirtschaft ist der Genfluss zwischen Kulturpflanzen und verwandten Wildarten, zwischen verschiedenen Sorten derselben Art sowie zwischen gentechnisch veränderten und konventionellen Beständen von Bedeutung. Die Richtung und Intensität hängen von Faktoren wie Bestäubungsbiologie, räumlicher Distanz, Blühsynchronisation, Pollenlebensfähigkeit und Witterung ab.
Rechtlich relevant ist der Genfluss insbesondere im Rahmen der Koexistenzregelungen, der Saatgutverkehrsgesetze sowie der Verordnungen über gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in Österreich und Deutschland. Zur Begrenzung unerwünschten Genflusses werden in der Praxis Isolationsabstände, Pufferzonen, Blühzeitverschiebungen und physische Barrieren eingesetzt. Die quantitative Erfassung erfolgt über Markergene, Pollenfallen oder molekulare Analysen. Genfluss kann die genetische Vielfalt von Populationen verändern, die Sortenreinheit beeinträchtigen und die Einhaltung von Kennzeichnungsschwellenwerten erfordern.

