Quaggamuschel im Attersee: Badegäste und Fischer leiden unter invasiver Art
Der Attersee, einer der schönsten Seen Österreichs, kämpft mit einer unsichtbaren Invasion: der Quaggamuschel. Seit 2022 breitet sich die bis zu vier Zentimeter große Muschel rasant aus und bereitet Badegästen, Fischern und dem gesamten Ökosystem massive Probleme. Was bedeutet das für die Region und wie kann die Ausbreitung gestoppt werden?
Badegäste müssen aufpassen: Scharfkantige Muscheln am Seegrund
Anrainerin Hanna Liftinger berichtet, dass der Seegrund, Bojen und sogar Boote von den Muscheln übersät sind. Wer auf eine Muschel tritt, riskiert tiefe Schnittverletzungen. Laut Tourismusverband haben sich bereits mehrere Badegäste verletzt. Liftingers Familie versucht, den Seezugang regelmäßig zu reinigen, doch der Aufwand ist enorm. Gewässerökologe Samuel Auer prognostiziert: „Das wird die Zukunft sein: dass die Menschen am Attersee und am Traunsee so wie in Kroatien mit Patscherln in den See gehen.“
Fische unter Druck: Nahrungskonkurrenz und steigende Wassertemperaturen
Die Quaggamuschel filtert Phytoplankton aus dem Wasser, das die Basis der Nahrungskette bildet. Kleinstlebewesen, die sich davon ernähren, fehlen dann den Fischen. Besonders betroffen sind Saibling und Reinanke, zwei lokale Lieblingsfische. Hinzu kommt, dass die Oberflächentemperatur heimischer Seen in den letzten 40 Jahren um durchschnittlich zwei Grad gestiegen ist. Dies erschwert die natürliche Durchmischung des Sees, die für die Sauerstoffversorgung in der Tiefe nötig ist. Kälteliebende Fische geraten so doppelt unter Druck: oben zu warm, unten zu wenig Sauerstoff.
Fischer kämpfen mit Muscheln in den Netzen
Ein Fischer berichtet, dass sich Muscheln in seinen Netzen verfangen und beim Reinigen zu zerschnittenen Fingern führen. Stark befallene Netze müssen sogar entsorgt werden. Ob die Muschel bereits die Fischbestände dezimiert, ist schwer zu sagen. Experte Piet Spaak vom Forschungsprojekt SeeWandel-Klima erklärt: „Fische fressen die Quaggamuschel zwar, besonders nahrungsreich ist sie jedoch nicht.“ Oft hätten sie keine andere Wahl.
Maßnahmen gegen die Ausbreitung: Was kann Österreich tun?
Die Ausbreitung innerhalb eines Sees lässt sich nicht mehr stoppen, da sind sich die Experten einig. Doch die Verschleppung in andere Gewässer könnte verhindert werden. In der Schweiz gibt es bereits Melde- und Reinigungspflichten für Boote. Österreich könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Für Anrainerin Hanna Liftinger bleibt der Attersee ein Sehnsuchtsort, doch die Sorge um die Zukunft des Sees ist groß. Am kleinen Steg vor ihrem Elternhaus liegen jetzt immer Badeschuhe bereit.
Bildquelle: Pixabay (Unter der freien Pixabay-Lizenz verifiziert für kommerzielle und nicht-kommerzielle Nutzung)
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