Tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum sichern
LK fordert gezielte Maßnahmen zur Förderung einer praxisorientierten Nutztierpraxis
Österreich hat im europäischen Vergleich bei den Studienplätzen für Veterinärmedizin keine schlechte Ausgangslage. Dennoch spitzt sich die Lage in der tierärztlichen Versorgung im ländlichen Raum dramatisch zu. Der Grund: Immer weniger Absolventinnen und Absolventen entscheiden sich für die Nutztierpraxis am Land. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich fordert daher ein Bündel gezielter Maßnahmen – von attraktiveren Rahmenbedingungen für die ländliche Praxis bis hin zu einer praxisorientierten Ausbildung im Großtierbereich. „Die Zahl der Tierärztinnen und Tierärzte in Österreich steigt sogar. Wer jedoch heute Veterinärmedizin studiert, den zieht es danach häufig in die Kleintierpraxis in der Stadt. Für unsere Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich bedeutet das: Der Tierarzt fehlt genau dort, wo er gebraucht wird – auf dem Hof, mitten in der Nacht, am Wochenende“, erklärt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
Verantwortlich für den zunehmenden Mangel ist ein Zusammenspiel mehrerer struktureller Entwicklungen: Die bevorstehende Pensionierungswelle geburtenstarker Jahrgänge reißt eine erhebliche Versorgungslücke. Gleichzeitig wandelt sich das Berufsbild – weg von der selbständigen Einzelpraxis, hin zu angestellten Tätigkeiten in größeren Ordinationen. Viele Absolventinnen und Absolventen kehren nach dem Studium nicht mehr in ihre Heimatbundesländer oder den ländlichen Raum zurück. Die Folge: spürbare Engpässe genau dort, wo die Landwirtschaft auf eine verlässliche tierärztliche Betreuung angewiesen ist.
Wie eine aktuelle Analyse der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt, verändert sich das Berufsinteresse vieler Studierender im Laufe des Studiums entscheidend. Während Wiederkäuer- und Pferdemedizin zunächst häufig gewählte Vertiefungsfächer sind, entscheiden sich im späteren Berufsleben deutlich weniger Absolventinnen und Absolventen tatsächlich für diesen Bereich. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die Arbeitsbedingungen und die Perspektiven in der Nutztierpraxis. „Das Studium ist nicht das Problem. Das Problem sind die Rahmenbedingungen danach: Bereitschaftsdienste, Nächte auf dem Hof und schwierige Praxisübergaben – hier braucht es Lösungen „, so Waldenberger.
„Es braucht gezielte Maßnahmen zur Sicherstellung der tierärztlichen Versorgung sowie stärkere Anreize für Tätigkeiten im ländlichen Raum. Gleichzeitig muss die Identifikation mit den Regionen und Heimatbundesländern gestärkt werden, um junge Tierärztinnen und Tierärzte wieder verstärkt für eine Tätigkeit außerhalb der Ballungsräume zu gewinnen“, fordert Waldenberger.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich appelliert an Bund, Land und die Veterinärmedizinische Universität Wien, gemeinsam konkrete Lösungsschritte einzuleiten. Die tierärztliche Versorgung der Nutztiere ist keine akademische Frage, sondern eine Frage der Daseinsvorsorge für die heimische Lebensmittelproduktion – und damit für alle Menschen in Österreich. „Diese Aufgabe können weder die Universität, noch die Landwirtschaft, noch die Politik alleine lösen. Wir müssen gemeinsam und entschlossen handeln – bevor aus einem schwelenden Problem eine handfeste Versorgungskrise wird“, schließt Waldenberger.

