Wertschöpfungskette
Die Wertschöpfungskette bezeichnet in der Agrar- und Ernährungswirtschaft die sequenzielle Abfolge aller wirtschaftlichen Aktivitäten und Prozessstufen, die erforderlich sind, um ein landwirtschaftliches Rohprodukt vom Primärerzeuger bis zum Endverbraucher zu bringen. Sie umfasst typischerweise die Stufen landwirtschaftliche Urproduktion, Erfassung und Lagerung, Verarbeitung und Veredelung, Distribution und Großhandel sowie Einzelhandel und Konsum. Jede Stufe fügt dem Produkt einen messbaren Mehrwert hinzu, der sich in Qualitätsveränderungen, Haltbarmachung, Portionierung, Verpackung oder logistischer Verfügbarkeit niederschlägt. Die Wertschöpfungskette ist nicht mit der Lieferkette identisch, da sie zusätzlich die ökonomische Wertsteigerung und die Verteilung der Wertschöpfungsanteile zwischen den Akteuren betrachtet.
In der fachlichen Praxis wird zwischen linearen und netzwerkartigen Wertschöpfungsketten unterschieden. Lineare Ketten finden sich bei standardisierten Massenprodukten wie Getreide oder Milch, während netzwerkartige Strukturen bei differenzierten Erzeugnissen mit mehrfacher Weiterverarbeitung auftreten. Rechtlich relevant sind die Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitspflichten entlang der Kette, die sich aus der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 sowie den nationalen Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbüchern in Deutschland und Österreich ergeben. Die Wertschöpfungskette dient als Analyse- und Steuerungsinstrument für Effizienz, Qualitätssicherung und Risikomanagement im Agrarsektor.

