Fasergewinnung
Die Fasergewinnung bezeichnet in der Landwirtschaft und angrenzenden Industriezweigen die Gesamtheit der Verfahren zur Abtrennung und Aufbereitung von pflanzlichen oder tierischen Faserrohstoffen aus dem jeweiligen Erntegut. Sie umfasst mechanische, physikalische und in jüngerer Zeit zunehmend biotechnologische Prozesse, die darauf abzielen, Zellulose-, Lignin- und Pektinbestandteile selektiv zu trennen. Zu den klassischen Verfahren zählen das Rösten, Brechen, Schwingen und Hecheln von Flachs und Hanf, die Entkernung von Baumwollsamen sowie die Gewinnung von Wolle durch Scheren und Kämmen. Bei der Verarbeitung von Stroh, Miscanthus oder Schilf kommen Häcksel-, Mahl- und Siebtechniken zum Einsatz.
Rechtlich unterliegt die Fasergewinnung in Österreich und Deutschland den Vorgaben des Pflanzenschutz- und Düngemittelrechts, sofern Nebenprodukte wie Schäben oder Röstflüssigkeiten anfallen. Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sind Faserpflanzen wie Hanf und Flachs für bestimmte Förderungen anerkannt, wobei die Verordnung (EU) 2021/2115 sowie nationale Durchführungsbestimmungen die Anbaubedingungen und Verarbeitungsnachweise regeln. Die Fasergewinnung dient der Bereitstellung von Rohstoffen für die Textil-, Verbundwerkstoff-, Papier- und Dämmstoffindustrie.
