Orthobunyaviren
Orthobunyaviren sind eine Gattung behüllter Viren mit einzelsträngiger RNA negativer Polarität aus der Familie der Peribunyaviridae innerhalb der Ordnung der Bunyavirales. Sie besitzen ein dreigeteiltes Genom (L-, M-, S-Segment). Für die Nutztierhaltung in Deutschland und Österreich sind insbesondere die von Gnitzen (Ceratopogonidae) übertragenen Spezies von Bedeutung, namentlich das Schmallenberg-Virus (SBV) sowie das Akabane-Virus. Die Übertragung erfolgt transovarial und durch Vektorbisse; eine direkte horizontale Übertragung zwischen Wirtstieren spielt in der Regel keine Rolle.
Die Infektion verläuft bei adulten Rindern, Schafen und Ziegen meist subklinisch oder mit transientem Fieber und Durchfall. Die pathognomonische Bedeutung liegt in der diaplazentaren Ausbreitung bei seronegativen Muttertieren während einer definierten Trächtigkeitsphase, was zu Kongenitalen Missbildungen des zentralen Nervensystems (Arthrogrypose, Hydranenzephalie), Totgeburten oder Aborten führen kann. Der Nachweis erfolgt mittels RT-qPCR aus Blut oder Gewebe sowie serologisch durch ELISA oder Virusneutralisationstest. Gemäß Tiergesundheitsgesetz (Deutschland) und Tierseuchengesetz (Österreich) handelt es sich bei SBV um eine anzeigepflichtige, jedoch nicht bekämpfungspflichtige Tierseuche. Es stehen inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung; die Immunprophylaxe zielt auf den Schutz der Feten ab. Eine direkte Zoonosegefahr ist nach aktuellem Wissensstand (2026) nicht belegt.

