Nahrungsangebot
Der Begriff Nahrungsangebot bezeichnet in der Agrarökonomie und Ernährungswissenschaft die Gesamtheit aller für den menschlichen Verzehr verfügbaren Lebensmittel und Getränke innerhalb eines definierten geografischen Raums (z. B. Nationalstaat, EU-Binnenmarkt) während eines bestimmten Zeitraums. Es umfasst die inländische landwirtschaftliche Erzeugung, die Einfuhren sowie die Lagerbestände, abzüglich der Ausfuhren, der Verfütterung, der industriellen Verarbeitung (Non-Food-Nutzung) und der Verluste (Nachernteverluste, Verarbeitungsverluste). Die Berechnung erfolgt in physischen Einheiten (Tonnen, Liter) oder als Nährstoffbasis (Kilokalorien, Proteine, Fette) pro Kopf und Tag.
Die Quantität und Qualität des Nahrungsangebots wird durch agrarstrukturelle Faktoren (Betriebsgrößen, Anbauflächen), agrarpolitische Rahmenbedingungen (Gemeinsame Agrarpolitik der EU, nationale Düngeverordnungen) sowie durch Marktmechanismen (Preisbildung, Außenhandelsströme) determiniert. In der Versorgungsbilanz wird das Nahrungsangebot als Indikator für die Ernährungssicherheit herangezogen; es ist jedoch strikt vom Begriff der Ernährungssicherung zu unterscheiden, da Letztere auch den Zugang zu und die Nutzung von Nahrungsmitteln umfasst. Die Erfassung des Nahrungsangebots dient der objektiven Analyse von Versorgungslagen und der Ableitung von Maßnahmen zur Stabilisierung der Lebensmittelversorgungsketten.

