Jagdethik
Jagdethik bezeichnet die Gesamtheit der ungeschriebenen und in Teilen kodifizierten Verhaltensgrundsätze, die das Handeln von Jägern gegenüber Wildtieren, der belebten Umwelt und der Gesellschaft regeln. Sie umfasst Grundsätze wie das Verbot unnötiger Tierleiden, die Pflicht zum sauberen, waidgerechten Schuss, die Beachtung von Schonzeiten und Elterntierschutz sowie die Aneignung und Verwertung des erlegten Wildes. Rechtlich verankert ist sie in Deutschland im Bundesjagdgesetz (BJagdG) und den Landesjagdgesetzen, in Österreich in den jeweiligen Landesjagdgesetzen; sie ergänzt das Tierschutzrecht und die jagdrechtlichen Vorschriften.
In der jagdlichen Praxis dient die Jagdethik als Orientierungsrahmen für Entscheidungen, die der Gesetzgeber nicht abschließend regelt, etwa die Auswahl des Wildes, die Wahl des Jagdzeitpunkts oder den Umgang mit verletztem Wild. Sie wird in der Jägerausbildung vermittelt und ist Gegenstand der Standesregeln der Jagdverbände. Eine einheitliche, verbindliche Definition existiert nicht; die Auslegung variiert nach regionaler Tradition, Wildart und jagdlichem Kontext. Wissenschaftlich wird sie als normatives Regelwerk zwischen rechtlicher Vorgabe und individueller Verantwortung eingeordnet.
