Arbeitswirtschaft
Arbeitswirtschaft bezeichnet in der Agrarökonomie die systematische Erfassung, Analyse und Planung des Einsatzes menschlicher Arbeitskraft in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben. Sie umfasst die Ermittlung des Arbeitszeitbedarfs einzelner Produktionsverfahren, die Messung der Arbeitserledigungskosten sowie die Bewertung der Arbeitsproduktivität. Grundlage sind Verfahren der Arbeitszeitmessung, etwa die Multimomentaufnahme oder die Zeitaufschreibung, deren Ergebnisse in Arbeitsverfahrens- und Betriebszweigkalkulationen einfließen. Kennzahlen wie Arbeitsstunden je Hektar, je Großvieheinheit oder je Produkteinheit dienen dem innerbetrieblichen Vergleich und der überbetrieblichen Einordnung.
Die Arbeitswirtschaft berücksichtigt sowohl physische als auch organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen, darunter Arbeitszeitgesetze, Unfallverhütungsvorschriften und tarifliche Regelungen in Deutschland sowie die land- und forstwirtschaftliche Arbeitsverfassung in Österreich. Sie ist von der Betriebswirtschaft und der Verfahrenstechnik abgegrenzt, steht mit diesen jedoch in engem methodischem Verbund. In der Beratung und in der einzelbetrieblichen Planung dient sie der Identifikation von Rationalisierungspotenzialen, der Bewertung von Mechanisierungs- und Automatisierungsinvestitionen sowie der Abschätzung von Arbeitskräftebedarf und Arbeitskosten. Seit den 2020er-Jahren gewinnen digitale Zeiterfassungssysteme und sensorgestützte Verfahren der Arbeitsanalyse an Bedeutung.

