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Hariolf Scherer

Dürre und Hitzestress: Jäger im Main-Tauber-Kreis versorgen Wildtiere mit Wasser

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Die anhaltende Trockenheit setzt der Tierwelt in weiten Teilen Süddeutschlands massiv zu. Im Main-Tauber-Kreis haben Jäger nun umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Rehe, Wildschweine, Vögel und Insekten vor dem Verdursten zu bewahren. Die Lage ist ernst: Natürliche Wasserquellen sind vielerorts versiegt, die Vegetation ist verdorrt, und die Tiere finden kaum noch Nahrung. Die Aktionen der Jäger zeigen, wie konkret die Dürrehilfe für Wildtiere in der Praxis aussieht und welche Herausforderungen der Hitzesommer mit sich bringt.

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Wassertransporte mit dem Schlepper: Ein Kreislauf der Hilfe

Hariolf Scherer, ehemaliger Kreisjägermeister aus Bad Mergentheim, fährt in diesem Sommer jede Woche mit seinem Schlepper und einem angehängten 3.000-Liter-Fass in seine beiden Reviere. Das Wasser stammt aus einer großen Regenwasserzisterne eines Nachbarn, der es auf seinem ehemaligen Hof zur Verfügung stellt. Scherer befüllt damit mehrere Kunststoffbecken, die er im Wald aufgestellt hat, sowie Natursuhlen – Schlammpfützen, die Wildschweine zur Abkühlung und Hautpflege nutzen. Er kann sich an eine derart „verheerende Trockenheit“ nicht erinnern. Die Not der Tiere sei riesengroß, berichtet der Jäger. Anfangs war er skeptisch, ob die Tiere die künstlichen Tränken überhaupt annehmen würden. Doch die Annahme sei überwältigend: Rehe, Insekten, Vögel und Wildschweine scheinen regelrecht darauf gewartet zu haben und frequentieren die Wasserstellen ständig.

Vier Tränken täglich: Jagdpächter im Dauereinsatz

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Grünsfeld, ebenfalls im Main-Tauber-Kreis. Jagdpächter Peter Kugler ist derzeit jeden Tag im Wald unterwegs, um an vier verschiedenen Stellen frisches Wasser nachzufüllen. Er stellt fest, dass sich alle Tiere im Wald über die Hilfe freuen. Normalerweise sind Wildtiere ohne menschliche Unterstützung in der Lage, ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Rehe nehmen Wasser über ihre natürliche Nahrung auf, fressen saftige Blüten und Knospen und nutzen den Morgentau auf den Blättern. In diesem Hitzesommer ist jedoch laut Kugler „alles verdorrt“, sodass diese natürlichen Quellen weitgehend wegfallen. Die Lage erinnert an die Rekordhitze und Dürre, die auch andernorts mit voller Wucht auf die Landwirtschaft trifft.

Maisfelder als letzte Grünquelle: Schäden nehmen zu

Die Trockenheit führt dazu, dass sich Rehe und Wildschweine vermehrt in Maisfeldern aufhalten. „Das ist das letzte Grün, das es draußen gibt“, erklärt Scherer. Die Felder, die selbst unter der Dürre leiden, werden regelrecht „geplündert“. Die kleinen Maiskolben und die feinen Haare daran dienen den Tieren als Feuchtfutter. Die dadurch entstehenden Schäden auf den Feldern sind enorm und belasten die Landwirte zusätzlich. Diese Entwicklung ist ein weiterer Aspekt der angespannten Lage, die auch das Thema Hitzestress in der Tierhaltung in den Fokus rückt, wenn auch dort vor allem die Nutztierhaltung betroffen ist.

Wildunfälle: Eine gefährliche Begleiterscheinung

Der Hitzestress erhöht nachweislich das Risiko für Wildunfälle. Auf der Suche nach Wasser und Nahrung queren vor allem Rehe auch tagsüber häufiger die Straßen. In Kuglers Revier gab es in diesem Jahr bereits außergewöhnlich viele Wildunfälle. Der Jäger führt dies auf eine Kombination aus Witterung, Brunftzeit und erhöhtem Verkehrsaufkommen zurück. Die Tiere sind durch die extremen Bedingungen geschwächt und weniger vorsichtig, was die Gefahr für Zusammenstöße mit Fahrzeugen deutlich erhöht.

Gefahr durch Wasserstellen: Rettungsfloß für Vögel und Insekten

Während die künstlichen Wasserstellen für viele Tiere eine lebensrettende Hilfe sind, bergen sie auch Gefahren. Große Kunststoffbecken im Wald, aber auch Regentonnen im heimischen Garten, können schnell zur Todesfalle werden. Scherer berichtet, dass in diesem Jahr bereits Greifvögel aus Regentonnen gezogen werden mussten. Wegen ihrer enormen Flügelspannweite schaffen es die Vögel nicht, aus eigener Kraft aus dem Wasser zu gelangen. Der Jäger rät deshalb dringend, in offene Wasserstellen immer einen größeren Ast oder ein Stück Holz zu legen – eine Art „Rettungsfloß“, das Vögeln und Insekten das Herausklettern ermöglicht. Diese einfache Maßnahme kann Leben retten und sollte bei jeder neu angelegten Tränke berücksichtigt werden.

Bilanz eines außergewöhnlichen Sommers

Die Maßnahmen der Jäger im Main-Tauber-Kreis sind ein Beispiel für das Engagement vieler Menschen, die in diesem außergewöhnlichen Sommer Verantwortung für die Tierwelt übernehmen. Die Situation zeigt, wie eng die Kreisläufe der Natur mit den Extremen des Wetters verbunden sind. Während die einen Wasserstellen einrichten, kämpfen andere mit den Folgen der Trockenheit auf ihren Flächen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Lage entspannt oder ob weitere Hilfsmaßnahmen notwendig werden. Fest steht: Die Solidarität mit den Tieren ist in der Jägerschaft groß, und die Bereitschaft, praktische Hilfe zu leisten, ungebrochen.

Ursprüngliche Meldung/Quelle: swr.de

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Dürre, Hitzesommer, Jäger, Main-Tauber-Kreis, Wasserversorgung, Wildtiere

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