Jahrringe
Jahrringe bezeichnen die in vielen Gehölzen, insbesondere bei Nadel- und Laubbäumen gemäßigter Klimazonen, durch periodisches Dickenwachstum des Kambiums entstehenden konzentrischen Zuwachszonen im Querschnitt des Stammes, der Wurzeln und der Äste. Innerhalb einer Vegetationsperiode bildet sich zunächst ein heller, weitlumiger Frühholzbereich (Frühjahrsholz) mit geringer Wandstärke der Tracheiden bzw. Gefäße, gefolgt von einem dunkleren, englumigen und dickwandigeren Spätholzbereich (Sommerholz). Die Grenze zwischen Spätholz des Vorjahres und Frühholz des Folgejahres ist als scharfe Ringgrenze sichtbar. Die jährliche Ringbildung setzt eine ausgeprägte saisonale Rhythmik von Temperatur, Niederschlag und Photoperiode voraus; in den Tropen können mehrere oder fehlende Ringe auftreten.
In der Agrar- und Forstwissenschaft dient die Jahrringanalyse (Dendrochronologie) der Altersbestimmung von Bäumen, der Rekonstruktion von Klima- und Standortbedingungen sowie der Ermittlung von Zuwachsleistungen. Die Ringbreite wird durch genetische Disposition, Standortfaktoren, Konkurrenz, Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit sowie waldbauliche Maßnahmen beeinflusst. Bei der Holzverwertung sind Jahrringe für Dichte, Festigkeit, Schwind- und Quellverhalten sowie die Sortierung nach Holzqualität von Bedeutung. Rechtliche Vorgaben zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Holznutzung, etwa in Österreich und Deutschland, greifen auf Zuwachsdaten zurück, ohne dass die Jahrringbildung selbst normativ geregelt ist.

