Kulturlandschaft
Die Kulturlandschaft bezeichnet im agrarwissenschaftlichen Verständnis jenen Teil der Erdoberfläche, der durch menschliche Nutzung, insbesondere durch land- und forstwirtschaftliche Bewirtschaftung, dauerhaft geprägt und gestaltet wurde. Sie ist das Ergebnis eines langfristigen Wechselwirkungsprozesses zwischen natürlichen Standortfaktoren (Klima, Bodenrelief, Wasserhaushalt) und den jeweiligen sozioökonomischen Rahmenbedingungen der Agrarproduktion. Im Gegensatz zur Naturlandschaft weist sie eine charakteristische Strukturvielfalt auf, die sich aus Flurformen, Bewirtschaftungssystemen und Siedlungsmustern zusammensetzt.
Rechtlich und fachpolitisch ist der Begriff im Jahr 2026 in Österreich und Deutschland eng mit Konzepten des Biodiversitätsschutzes und der nachhaltigen Landnutzung verknüpft. Instrumente wie das österreichische Programm für ländliche Entwicklung (ÖPUL) oder die deutsche Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) fördern spezifische Bewirtschaftungsmaßnahmen zur Erhaltung kulturlandschaftlicher Elemente wie Hecken, Trockenmauern oder extensiv genutzten Grünlands. Die aktuelle Düngeverordnung sowie die gute fachliche Praxis definieren Bewirtschaftungsgrenzen, um Stoffeinträge zu minimieren und die Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts innerhalb der Kulturlandschaft zu sichern. Ihre Ausprägung unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, bedingt durch agrartechnischen Fortschritt, Marktentwicklungen und gesellschaftliche Ansprüche an die multifunktionale Nutzung von Flächen.
