Ölmühle
Die Ölmühle ist eine verfahrenstechnische Anlage zur Gewinnung von Pflanzenölen aus ölhaltigen Rohstoffen, vornehmlich aus Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumenkern, Sojabohne oder Leinsaat. Der Prozess gliedert sich in die mechanische Vorbehandlung (Reinigung, Konditionierung, Schälung), die eigentliche Ölgewinnung durch Pressung in Schneckenpressen und gegebenenfalls anschließende Lösungsmittelextraktion mit n-Hexan sowie die Aufarbeitung des gewonnenen Rohöls durch Entschleimung, Entsäuerung und Bleichung. Als Koppelprodukt entfallen je nach Saat und Verfahren 60 bis 80 Prozent der Einsatzmasse auf proteinreiches Extraktionsschrot oder Presskuchen, das als Futtermittel Verwendung findet. In Österreich und Deutschland unterliegt der Betrieb einer Ölmühle umweltrechtlichen Auflagen, insbesondere der Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen (4. BImSchV) sowie der Düngeverordnung hinsichtlich der Verwertung anfallender Nebenprodukte. Die Wirtschaftlichkeit wird maßgeblich durch den Ölgehalt des Rohstoffs, den Energiebedarf der thermischen Konditionierung und die Vermarktungserlöse für Öl und Schrot bestimmt. Kleinere, dezentrale Ölmühlen arbeiten überwiegend kaltpressend ohne Lösungsmittel, während industrielle Großanlagen zur Erzielung höherer Ölausbeuten die Extraktion integrieren.
Die rechtliche Einordnung erfolgt in der EU-Verordnung über die Vermarktung von Pflanzöl, wobei zwischen kaltgepressten und raffinierten Ölen unterschieden wird. Die Produktionsrückstände unterliegen der Abfallrahmenrichtlinie und können bei Erfüllung der Kriterien als Nebenprodukt eingestuft werden. Die technische Auslegung einer Ölmühle richtet sich nach dem Durchsatz, der zwischen wenigen Tonnen pro Tag bei bäuerlichen Gemeinschaftsanlagen und mehreren tausend Tonnen bei industriellen Standorten variiert.

