Ernteverluste
Als Ernteverluste werden in der Landwirtschaft jene Anteile des potenziell nutzbaren Pflanzenertrags bezeichnet, die zwischen dem Zeitpunkt der physiologischen Reife und der endgültigen Einlagerung oder Nutzung durch biotische, abiotische oder technische Faktoren verloren gehen. Die quantitative Erfassung erfolgt in der Regel als prozentualer Anteil am Gesamtertrag oder als absolute Masse pro Flächeneinheit (z. B. dt/ha). Die Ursachen sind vielfältig und umfassen mechanische Verluste durch Mähdrusch, Aufbereitung oder Transport, physiologische Abbauprozesse wie Atmungsverluste bei Getreide sowie Schäden durch Schädlinge (z. B. Mäuse, Vögel) oder pilzliche Pathogene (z. B. Fusarium-Arten). Witterungsbedingte Faktoren wie Starkregen, Hagel oder Trockenstress können ebenfalls zu erheblichen Ertragsminderungen führen.
Im Kontext der landwirtschaftlichen Betriebsführung und der Lebensmittelversorgungskette sind Ernteverluste ein zentraler Parameter der Effizienzanalyse. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich (Stand 2026) fordern im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes und der guten fachlichen Praxis eine Minimierung dieser Verluste. Technische Maßnahmen wie die Optimierung der Druschparameter, der Einsatz von Verlustmesssystemen an Erntemaschinen sowie eine angepasste Fruchtfolge dienen der Reduktion. Die Erfassung von Ernteverlusten ist zudem relevant für die Berechnung von Düngebedarfen und die Dokumentation im Rahmen von Agrarumweltprogrammen (z. B. ÖPUL).

