Varroa-Toleranz
Die Varroa-Toleranz bezeichnet die Fähigkeit eines Honigbienenvolkes (Apis mellifera), einen Befall mit der parasitischen Milbe Varroa destructor ohne nennenswerte wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden zu überstehen. Sie ist von der Varroa-Resistenz abzugrenzen, da tolerante Völker die Milbenpopulation nicht aktiv unterdrücken, sondern die negativen Auswirkungen des Parasiten – wie Virustransmission und Vitalitätsverlust – durch physiologische oder verhaltensbiologische Mechanismen kompensieren. Zu den genetischen Grundlagen zählen unter anderem eine verkürzte Brutdauer, effizientes Putzverhalten (Grooming) sowie die Fähigkeit, befallene Brut frühzeitig zu erkennen und zu entfernen (Varroa-Sensitive Hygiene, VSH). In der praktischen Bienenzucht wird Varroa-Toleranz als Selektionsmerkmal genutzt, um die Abhängigkeit von chemischen Behandlungen zu reduzieren. Die Zucht auf Toleranz erfolgt nach populationsgenetischen Methoden und unterliegt den tierseuchenrechtlichen Vorgaben der Bienenseuchen-Verordnung. Eine vollständige Toleranz ist unter mitteleuropäischen Haltungsbedingungen bislang nicht erreicht; sie stellt ein zentrales Ziel der angewandten Bienenforschung dar.
