Phytoplasmen
Phytoplasmen sind obligat intrazelluläre, zellwandlose Bakterien der Klasse Mollicutes, die als Krankheitserreger im Phloem zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen auftreten. Sie werden durch saugende Insekten, vorwiegend Zikaden (Cicadomorpha) und Blattflöhe (Psyllidae), sowie vegetativ durch infiziertes Pflanzenmaterial übertragen. Morphologisch zeichnen sie sich durch eine dreischichtige Membran und pleomorphe Gestalt aus; aufgrund des fehlenden Zellwands sind sie gegenüber β-Lactam-Antibiotika unempfindlich. Ihr stark reduziertes Genom (530 bis 1350 kb) bedingt eine auxotrophe Lebensweise, die auf die Nährstoffversorgung der Wirtszelle angewiesen ist. Typische Symptome phytoplasmenbedingter Erkrankungen sind Vergilbungen, Kleinblättrigkeit, Hexenbesenwuchs, Taubährigkeit sowie der Befall von Speicherorganen, wie sie etwa bei der Stolbur-Krankheit (Candidatus Phytoplasma solani) oder der Apfeltriebsucht (Candidatus Phytoplasma mali) auftreten. Diagnostik erfolgt primär molekularbiologisch mittels PCR oder nested PCR auf Basis ribosomaler DNA-Sequenzen. Bekämpfungsstrategien konzentrieren sich auf die Zertifizierung virusfreien Vermehrungsmaterials, die Bekämpfung der Vektorpopulationen sowie die Einhaltung von Quarantänemaßnahmen gemäß der Richtlinie 2000/29/EG bzw. der nationalen Pflanzenschutzgesetze in Österreich und Deutschland. Resistenzzüchtung und ackerbauliche Maßnahmen wie das Entfernen von Infektionsreservoirs stellen weitere präventive Ansätze dar. Eine kausale Therapie befallener Pflanzen ist unter Freilandbedingungen nicht möglich.
