AutoTune
AutoTune bezeichnet in der landwirtschaftlichen Verfahrenstechnik ein softwarebasiertes Regelungssystem, das die automatische Selbstoptimierung von Maschinenparametern während des laufenden Betriebs ermöglicht. Im Gegensatz zu statischen Einstellungen erfasst das System kontinuierlich Sensordaten wie Durchsatz, Feuchtegehalt, Drehmoment oder Partikelgrößenverteilung und passt daraufhin Aktuatoren wie Vorschubgeschwindigkeit, Sieböffnungen oder Gebläseleistung in Echtzeit an. Die zugrundeliegenden Algorithmen basieren auf modellprädiktiver Regelung oder lernenden Verfahren, die ohne manuellen Eingriff des Fahrers eine Annäherung an einen definierten Sollwertkorridor vornehmen. Anwendung findet diese Technik vor allem in Mähdreschern, Feldhäckslern und modernen Sämaschinen, um Verluste durch Überlastung oder Fehleinstellung zu minimieren. Rechtlich relevant ist, dass die Systeme gemäß der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG als Sicherheitsbauteile gelten können, sofern sie in sicherheitsrelevante Steuerungskreise eingreifen. Die Parametrierung muss zudem dokumentiert werden, um die Rückverfolgbarkeit im Rahmen der Öko-Regelungen und der guten fachlichen Praxis zu gewährleisten.
Die Implementierung von AutoTune-Systemen setzt eine kompatible Sensorik und Aktorik voraus, die über standardisierte Bussysteme wie ISOBUS kommuniziert. Eine vollständige Autonomie besteht nicht, da der Bediener die Zielvorgaben definiert und bei Grenzwertüberschreitungen eingreifen muss. Die Systeme unterliegen der CE-Kennzeichnung und erfordern eine Risikobeurteilung durch den Hersteller. In der Praxis zeigt sich, dass die Regelgüte von der Qualität der Kalibrierdaten abhängt, weshalb eine regelmäßige Überprüfung der Sensorik gemäß den Herstellervorgaben erforderlich ist.

