Dickenwachstum
Das Dickenwachstum bezeichnet in der Botanik und Pflanzenphysiologie die sekundäre Zunahme des Spross- und Wurzelumfangs bei dikotylen und gymnospermen Pflanzen. Es wird durch die Aktivität der lateralen Meristeme, insbesondere des Kambiums, ermöglicht. Das Kambium bildet nach innen sekundäres Xylem (Holz) und nach außen sekundäres Phloem (Bast). Bei Bäumen und Sträuchern führt dieser Prozess zur Bildung von Jahresringen, deren Breite von Umweltfaktoren wie Wasserverfügbarkeit, Nährstoffangebot und Temperatur abhängt. Im landwirtschaftlichen Kontext ist das Dickenwachstum vor allem bei der Produktion von Obstgehölzen, Reben und forstwirtschaftlichen Kulturen von Bedeutung, da es die Standfestigkeit und die Leitungsfähigkeit der Gefäße beeinflusst.
Neben dem Kambium trägt auch das Phellogen (Korkkambium) zur Bildung des Periderms bei, das als Schutzgewebe das Dickenwachstum begleitet. Bei monokotylen Pflanzen, wie Getreide oder Gräsern, findet kein sekundäres Dickenwachstum statt; sie besitzen kein Kambium und bleiben auf ihr primäres Wachstum beschränkt. Die Steuerung erfolgt über Phytohormone, insbesondere Auxine und Gibberelline, die aus den jungen Blättern und Knospen basipetal transportiert werden. In der landwirtschaftlichen Praxis kann das Dickenwachstum durch Kulturmaßnahmen wie Veredelung, Schnittführung oder Bewässerung indirekt beeinflusst werden. Eine übermäßige Förderung kann jedoch zu anatomischen Schwächungen führen, weshalb ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Höhen- und Dickenwachstum für die Stabilität und Vitalität der Kulturpflanzen entscheidend ist.
