Honigtau
Honigtau bezeichnet in der Agrarwissenschaft ein zuckerhaltiges Exsudat, das von verschiedenen Insektenarten, insbesondere Blattläusen (Aphidina), Schildläusen (Coccina) und Zikaden (Auchenorrhyncha), ausgeschieden wird. Diese Insekten ernähren sich vom Phloemsaft der Pflanzen, der neben Zuckern auch Aminosäuren und Mineralstoffe enthält. Überschüssige Kohlenhydrate werden als viskose, wässrige Lösung über den After abgegeben. Die Zusammensetzung des Honigtaus variiert je nach Wirtspflanze und Insektenart und umfasst hauptsächlich Saccharose, Glucose, Fructose sowie höhere Zuckeralkohole wie Melezitose und Erlose.
In der Landwirtschaft ist Honigtau von doppelter Bedeutung. Einerseits stellt er eine relevante Ertragsquelle für die Imkerei dar, da Bienen ihn als Trachtquelle nutzen und daraus Waldhonig erzeugen. Andererseits kann starker Honigtau-Befall zu erheblichen Schäden führen: Die zuckerhaltigen Ausscheidungen fördern das Wachstum von Rußtaupilzen (Capnodiales), die die Photosyntheseleistung der Blätter reduzieren. Zudem kann die klebrige Substanz die Mechanik von Erntemaschinen beeinträchtigen und die Qualität von Erntegut, etwa bei Getreide, durch Verklebung und Verschmutzung mindern. Im integrierten Pflanzenschutz wird das Auftreten von Honigtau als Indikator für den Befallsdruck saugender Insekten herangezogen, wobei die Bekämpfungsschwellen gemäß den Richtlinien der guten fachlichen Praxis in Österreich und Deutschland definiert sind.

