Herdentiere
Der Begriff Herdentiere bezeichnet in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung Individuen von Tierarten, deren natürliches Verhalten durch das Leben in sozialen Gruppenverbänden geprägt ist. Dieses Herdenverhalten ist ein angeborenes, evolutionär entwickeltes Merkmal, das der Sicherheit, der Nahrungssuche und der Fortpflanzung dient. Zu den klassischen Herdentieren in der landwirtschaftlichen Praxis zählen Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und Schweine. In der modernen Nutztierhaltung wird die artspezifische Herdenstruktur als Grundlage für die Haltungssysteme herangezogen. Die Gruppengröße, die soziale Rangordnung und die Möglichkeit zur Ausübung von Herdenverhalten wie gemeinsames Fressen, Ruhen oder Fortbewegung sind zentrale Kriterien für die Beurteilung der Tiergerechtheit eines Haltungssystems. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Deutschland und die österreichische 1. Tierhaltungsverordnung, definieren Mindestanforderungen an die Gruppenhaltung, um Verhaltensstörungen durch soziale Isolation zu vermeiden. Die Kenntnis der Herdendynamik ist für das Herdenmanagement, die Gesundheitsvorsorge und die Optimierung von Fütterungs- und Melkabläufen von essenzieller Bedeutung.
