100 Jahre das Ereignis in Berlin

Die Internationale Grüne Woche feiert 2026 ihr 100-jähriges Bestehen – und mit ihr der Erlebnisbauernhof in Halle 3.2, organisiert vom Forum Moderne Landwirtschaft, als lebendige Plattform für Austausch, Transparenz und Dialog. Bei einer Vorab-Pressekonferenz gaben Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forum Moderne Landwirtschaft, sowie Marie Schomburg, AgrarScout und Landwirtin aus Niedersachsen, Einblicke in die Themen und Schwerpunkte des Messeauftritts.

Landwirtschaft im Wandel – von Handarbeit zur Hightech-Branche

Mit Blick auf ein Jahrhundert Grüne Woche skizzierte Joachim Rukwied die tiefgreifenden Veränderungen in der Landwirtschaft. „Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen 100 Jahren gewaltig verändert. Früher war sie extrem arbeitsintensiv und körperlich sehr hart. Heute sind wir eine hochmoderne Branche, die mit GPS-gesteuerter Technik, Sensorik und digitalen Lösungen arbeitet“, sagte Rukwied. Moderne Technologien ermöglichten nicht nur Effizienz, sondern auch mehr Nachhaltigkeit: „Wir sichern die Ernährung und erbringen zusätzliche Umwelt- und Klimaschutzleistungen. Das ist eine enorme Entwicklung, die wir hier sichtbar machen wollen.“

Gleichzeitig machte der DBV-Präsident auf die wirtschaftlichen Herausforderungen aufmerksam. Die aktuellen Preisentwicklungen setzten viele Betriebe unter Druck. „Wir brauchen eine Trendwende bei den Erzeugerpreisen. Landwirtschaft kann nur bestehen, wenn wir kostendeckend produzieren können. Das gelingt nur gemeinsam mit dem Lebensmitteleinzelhandel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern – durch den bewussten Kauf hochwertiger, nachhaltig erzeugter, heimischer Lebensmittel.“

Erlebnisbauernhof als Dialogplattform

Warum der Erlebnisbauernhof auf der Grünen Woche eine besondere Rolle spielt, erläuterte Lea Fließ: „Landwirtschaft wird in gesellschaftlichen Debatten oft noch als Problem wahrgenommen – nicht als Teil der Lösung. Genau hier setzen wir an. Unter dem Leitmotiv ‚Ernährung sichern, Natur schützen‘ zeigen wir Innovationen, neue Technologien und klimafreundliche Arbeitsweisen.“

Der Erlebnisbauernhof sei dabei bewusst keine Hochglanz-Kulisse, sondern ein Ort der Begegnung. „Wir verstehen den Erlebnisbauernhof als Dialogort. Es geht ums Erleben, ums Fragenstellen, ums Erklären. Mit interaktiven Angeboten und vielen Gesprächsmöglichkeiten schaffen wir Nähe zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.“

Zehn Jahre AgrarScouts: Transparenz durch persönliche Gespräche

Ein zentrales Element dieses Dialogs ist seit zehn Jahren das AgrarScout-Netzwerk. Mehr als 800 Landwirtinnen und Landwirte engagieren sich inzwischen deutschlandweit. „Mich begeistert bis heute, dass die AgrarScouts eine immer größere Rolle spielen. Sie kommen, wie sie sind, stellen sich Fragen aus der Gesellschaft und geben ehrliche Einblicke in ihren Alltag“, so Fließ. Ziel sei es von Beginn an gewesen, eine Lücke zu schließen: „Wir wussten, dass jeder dritte Mensch in Deutschland noch nie mit einer Landwirtin oder einem Landwirt gesprochen hat. Das wollten wir ändern. In zehn Jahren haben wir Hunderttausende Gespräche geführt und Millionen Menschen erreicht.“

AgrarScout Marie Schomburg bestätigte den besonderen Wert dieses Ansatzes aus der Praxis: „Im Netzwerk sind unglaublich viele motivierte Menschen, die lieben, was sie tun. Uns ist wichtig, mit den Menschen zu sprechen – nicht über sie. Oft wird Landwirtschaft als abstraktes System wahrgenommen. Im persönlichen Gespräch merken die Besucherinnen und Besucher: Dahinter stehen einzelne Menschen mit Verantwortung, Leidenschaft und Fachwissen.“

Landwirtschaft im Umbruch – Chancen und Rahmenbedingungen

Schomburg sprach auch über die Herausforderungen auf den Betrieben. „Wir arbeiten jeden Tag mit der Natur und mit dem Boden als unserem größten Kapital. Wir wollen neue Wege gehen und die Natur schützen. Aber dafür brauchen wir Sicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Nicht alles lässt sich sofort in der Praxis umsetzen – umso wichtiger ist es, dass Politik und Gesellschaft diese Entwicklungsprozesse begleiten.“

Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft

Ein weiterer Schwerpunkt 2026 ist das Internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Joachim Rukwied sieht darin große Chancen für die Zukunft der Branche. „Die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft wird weiter zunehmen. Aktuell sind rund elf Prozent der Betriebsleitungen weiblich, bei der Hofnachfolge liegen wir bereits bei etwa 18 Prozent – Tendenz steigend. Frauen sind Zukunftsgarantinnen für eine moderne Landwirtschaft.“

Lea Fließ betonte, dass es dabei um weit mehr als Symbolik gehe. „Sichtbarkeit ist entscheidend. Studien zeigen: Viele Frauen in der Landwirtschaft treibt vor allem das Image der Branche um und das ständige Erklären-Müssen. Das Thema entscheidet mit über die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft insgesamt.“

Aus Sicht der jungen Generation wünscht sich Marie Schomburg vor allem Vorbilder. „Frauen haben schon immer eine zentrale Rolle auf den Höfen gespielt – oft im Hintergrund. Für junge Frauen ist es wichtig zu sehen: Betriebsleitung und Familie lassen sich vereinbaren. Diese Vorbilder müssen wir sichtbar machen, und dafür brauchen wir auch die passenden Rahmenbedingungen.“

Wünsche für die Zukunft

Zum Abschluss formulierten die Podiumsgäste ihre Wünsche für die kommenden Jahre. Neben fairen Preisen und langfristiger Planung wünschte sich Schomburg vor allem Vertrauen: „Wir haben in Deutschland eine sehr gute landwirtschaftliche Ausbildung und produzieren täglich hochwertige Lebensmittel. Wir wissen, was wir tun – und wir wollen im Gespräch bleiben. Genau dafür stehen der Erlebnisbauernhof, das Forum Moderne Landwirtschaft und die AgrarScouts.“

Der Erlebnisbauernhof in Halle 3.2 wird damit auch 2026 wieder zum Ort, an dem Landwirtschaft erlebbar wird – als moderne Branche, als Teil der Lösung und als Gesprächspartnerin für Gesellschaft und Politik.

 

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